Meine verbotene Liebe – Das Finale

Viele von euch haben sich wahrscheinlich ein Happy End gewünscht, nur leider muss ich euch enttäuschen. Ich hätte euch natürlich gerne ein Happy End gegeben, aber es kam nicht dazu. Ich sagte euch ja bereits ganz am Anfang, ich erzähle euch einfach nur meine Geschichte. Die Geschichte von einem gebrochenen Mann. Und nun werde ich euch das Ende meiner Geschichte erzählen, jetzt kommt der Teil, an dem ich erst wirklich ein gebrochener Mann wurde.

Ich saß bei meiner Mutter und stellte Julia also am Telefon das Ultimatum. Nun hatte sie sich entscheiden müssen, sie hatte die Wahl zwischen Party und der Familie. Nur stellte ich mir das alles viel einfacher vor, als es dann tatsächlich war.
Ja, ich dachte, ich stelle ihr das Ultimatum und sie willigt ein. Ich meine, es ist doch auch nicht besonders schlimm für seine Familie die Partys und den Alkohl weg zu lassen. Ich habe mich wegen der Familie und wegen ihrem Ultimatum von meiner Religion entfernt. Da dachte ich eigentlich, dass sie auch die Partys für mich – für uns – weglassen kann. Aber Fehlanzeige. Sie streubte sich. Beschimpfte mich am Telefon. Sie fragte mich, was mir einfallen würde, einfach dieses komische Ultimatum aufzustellen. Sie sei ja eine junge Frau, sie wolle noch nicht ihr Leben wegschmeißen nur damit ich meinen männlichen Stolz befriedigen kann. Sie schimpfte und schrie, aber ich blieb hartnäckig und sagte:

„Julia, ich meine das Ernst. Und diesmal glaubst DU gar nicht, wie ernst ich das meine. Ich muss unsere Tochter schützen. Wenn du dich gesehen hättest, wie du heute Nacht da standest und nicht mal mehr richtig sprechen konntest. Du musst dich entscheiden. Wir kommen nicht eher nach Hause bis du dich gegen den Alkohl und die Partys entschieden hast!“

Ich war fest entschlossen in meiner Sache. Dieses eine mal war ich fest entschlossen. Ich wollte mit aller Kraft verhindern, dass meine Tochter diesem Stress und diesen Sünden ausgesetzt ist. Zum ersten mal merkte ich wirklich, wie sehr dieses ganze Zeug doch Sünde ist. Am meisten merkte ich es jedoch an Julias Verhalten, wie stark sie sich dagegen gewehrt hatte mit dem Alkohl trinken und dem Feriern aufzuhören. Ich meine, wie stark muss einen das denn anziehen, damit man sich nicht zwischen dem und der Familie entscheiden kann? Es schien so, als wäre Julia diesen Sachen verfallen und könne sich auch nicht mehr davon lösen. Ja, für sie hießen diese Dinge „Freiheit“. Und diese Freiheit wollte sie sich auch nicht nehmen lassen.

Bevor ich noch etwas sagen konnte, holte Julia aus um zu reden:
„Du hast sie ja wohl nicht mehr alle! Du wirst schon sehen, was du davon hast. DU kannst nicht über mich bestimmen und schon gar nicht über MEIN Kind!“

Dann war die Leitung tot.

Ein bisschen geschockt war ich schon. Eigentlich dachte ich, sie wäre ein bisschen einsichtiger. Wie sie von IHREM Kind gesprochen hat, das hat mich schon wütend gemacht. Ich meine, was denkt sie sich denn? Denkt sie ich bin nichts, nur weil sie das Kind geboren hat? Wie kommt sie denn darauf, dass es IHR Kind ist. Es ist doch unser beider Kind. Das verstand ich nicht. Ich dachte mir, dass sie wahrscheinlich wie so oft überreagierte und tat das Telefonat mit einem Kopfschütteln ab.

Meine Mutter machte uns etwas zu essen und wir saßen gemeinsam am Tisch. Es war sehr schön. Die Kleine saß auf dem Schoß meiner Mutter und  wurde von ihr mit Kartoffelbrei gefüttert. Wie sie da mit ihr saß hat mich sehr berührt, meine Mutter schien sich richtig zu freuen. Die Kleine hatte auch ihren Spaß. Ich muss sagen, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich auch Spaß gehabt. Meine Mutter gab ihr spielerisch das Essen. Immer wieder sagte sie:
„Brrrrrrr…Hier kommt das Flugzeug..Shhh…Brrrrrr…Fertig machen zur Landung… Luke auf und rein damit.“

Der Kleinen machte das sichtlich Freude. Ich war sehr glücklich. Na klar, ich machte mir Sorgen, aber irgendwie hatte ich gedacht, dass Julia sich doch noch einkriegt und darüber nachdenkt. Ich hatte die Hoffnung, dass sie einsieht, wie sinnlos es wäre für Partys ihre Familie aufzugeben. Ich hatte einfach zu sehr an das Gute in ihr geglaubt. Aber anscheinend war ich da zu optimistisch, denn circa drei Stunden nach unserem Telefon klingelte es an der Tür.

Es war Julia. Sie stand unten und sagte, sie wolle die Kleine abholen. Ich ging runter um mit ihr zu reden, allein. Die Kleine lies ich bei meiner Mutter. Julia war schon wieder so stark geschminkt, dass ich ihr Gesicht fast nicht wieder erkannte. Ich wusste nicht, was sie damit bezwecken wollte aber ich denke, sie wollte mich provozieren. Schaffte sie aber nicht, denn ich ließ es nicht zu. Schon als ich die Außentür aufmachte und sie sah, sagte sie direkt zu mir:

„Wo ist sie?“

„Hast du darüber nachgedacht was ich dir vorhin am Telefon gesagt habe?“, erwiderte ich ruhig aber bestimmt.

„Ja Ahmed, das habe ich. Und ich kann dir nur sagen: Geh! Ich will dich nicht mehr! Du hast einen Schaden, ich weiss nicht was mit dir los ist. Du bist nicht mehr der, den ich kennen und lieben gelernt habe. Was du mir für eine Szene gemacht hast letzte Nacht. Unglaublich. Früher sind wir beide zusammen auf Partys gegangen und wir waren auch beide mal etwas beschwippst. Und jetzt machst du mir deswegen so eine Szene. Nein, du stellst mir deswegen auch noch dieses bescheuerte Ultimatum.“

„Ja Julia, das stelle ich dir. Und ich bleibe bei meiner Meinung. So etwas wie gestern Nacht darf nie wieder vorkommen. Wenn du mir das versprechen kannst, dann ist alles in Ordnung und wir gehen nach Hause. Wenn du aber daran festhälst, dann gehst du ohne mich und auch ohne die Kleine.“, sagte ich bestimmend.

„Du gibts mir jetzt SOFORT mein Baby. SOFORT!“ Julia schien nervös zu werden, als sie merkte, dass ich es ernst meinte.

„Wirst du dich ändern?“, fragte ich sie direkt.

„Das ist mein Leben, ja! Was willst du von mir? Ich lebe so wie es mir passt. Wenn du das nicht willst, dann geh, aber gib mir jetzt sofort das Baby. Ich bin die Mutter.“

„Ja und ich bin der Vater. Und wenn du es nicht tun willst dann schütze ich unser Kind. Ändere dich, dann gebe ich sie dir.“
Sie ging ein Stück näher auf mich zu und schüttelte mich an den Schultern.

„Ahmed, bist du jetzt total irre. Gib mir das Baby. SOFORT, und ich sage dir das nicht nochmal.“

Ich merkte, dass sie vor Wut fast überkochte. Ich nahm ihre Hände von meinen Schultern und sagte ihr nochmals:

„Ändere dich Julia. Ändere dich für dich selbst, für unser Baby und für uns. Ich kann nicht zulassen das die Kleine falsch aufwächst und falsch erzogen wird. Und so wie du dich grade verhälst, denke ich, dass es besser ist wenn sie erstmal bei mir bleibt. Hier, bei meiner Mutter.“

Julia fing an zu schreien. Sie weinte und schrie. Ich versuchte sie zu beruhigen und ihr zu sagen, dass sie sich ja nur ändern brauche. Ich versuchte ihr auch noch meinen Standpunkt zu erklären und ihr zu sagen, wovor ich Angst hatte. Und ich erklärte ihr, weshalb ich unsere Tochter schützen musste. Alles half nichts. Sie verstand mich einfach nicht. Sie wollte nicht verstehen. Sie schrie weiterhin nur rum. Ich bot ihr an sich zu beruhigen und mit hoch zu kommen. Sie aber schrie weiter rum und weigerte sich, einzusehen und zu verstehen. Ich wollte nochmal mit ihr in Ruhe reden. Sie aber wollte nun endgültig nichts mehr mit mir zu tun haben und wollte nur noch zu „Ihrem“ Baby.

Das ganze Gerede half nichts. Ich sagte ihr sie bekommt das Baby nicht solange sie sich nicht änderte und sie rastete weiterhin aus. Ich ging ins Treppenhaus und machte die Tür zu. Sie schlug wie eine Wilde gegen die Tür und schrie: „Gib mir mein Kind du *****!“ Ich ging hoch und ließ sie unten stehen. Ich meine, was hätte ich sonst machen sollen? Sie ließ einfach nicht mit sich reden. Alle Versuche sie zu beruhigen oder ihr zu erklären, schlugen fehl. Also, was hätte ich noch tun sollen?

Ich ging zurück in die Wohnung. Auch im 2. Stock hörte ich noch einen kurzen Moment Julias Schreie. Dann verschwand sie. Meiner Mutter brauchte ich nichts zu erzählen, denn sie hatte genauso wie die anderen Hausbewohner alles mitbekommen. Meine Mutter und ich setzten uns hin und sprachen ein wenig über die ganze Situation. Bis es circa eine halbe Stunde nach Julias Besuch an der Tür klingelte.

Es war wieder Julia. Aber diesmal nicht alleine. Sie kam mit der Polizei. Meine Mutter war ängstlich und geschockt. Ich machte mir eher weniger Sorgen, was sollten sie auch schon machen. Ich hatte das Vorhaben meine Tochter nicht ohne Weiteres an Julia zu übergeben. Ich sagte meiner Mutter, sie solle mit der Kleinen ins Wohnzimmer gehen und die Tür hinter sich schließen. Ich sagte ihr auch, sie solle nicht raus kommen. Dann machte ich mich auf zur Tür, wo Julia samt zwei Polizeibeamten wartete. Ein großer, blonder Polizist mit einer Brille richtete das Wort an mich:

„Guten Tag, Herr Yilmaz. Ihre Ex-Freundin hat uns angerufen und gesagt, dass sie ihr Baby entführt haben. Was sagen sie zu diesem Vorwurf?“

Achso, jetzt ist sie also schon meine Ex-Freundin. Na gut, kann sie haben. Julia stand die ganze Zeit hinter den beiden Polizisten und guckte mich rechthaberisch und siegessicher an. Ich erwiderte dem Polizisten:
„Das ist genauso meine Tochter und wir haben das gemeinsame Sorgerecht. Das hat also nichts mit Entführung zu tun. Wir hatten einen Streit und ich bin mit dem Baby zu meiner Mutter gefahren und da wollte ich bleiben, bis sich die Situation beruhigt. Das ist ja schliesslich für so ein Kind nicht gut, wenn es den Streit der Eltern mitbekommt.“

Der Polizist sagte:
„Ja, da haben sie Recht. Besonders schön ist das nie für die Kinder. Also Frau Hölscher, wenn er sie nicht entführt hat, warum haben Sie uns dann gerufen? Hören Sie mal, wenn Sie einen Trennungskrieg führen wollen, dann machen Sie das unter sich aus. Regeln Sie per Gericht wer, wann Besuchsrecht hat und dann hat sich die Sache. Aber da hat die Polizei nichts mit zu tun. Komm, Pasulke. Wir gehen.“

Julia stand geschockt und kreidebleich da. Hatte sie denn allen Ernstes gedacht, dass die Polizisten mich jetzt in Handschellen abführen? Erst dachte ich, Julia gibt jetzt auf und denkt nochmal nach. Aber dann rief sie den Polizisten, die schon die Hälfte der Treppen hinunter gelaufen waren, zu:
„Warten Sie, er wollte sie doch entführen! Er ist ein Islamist und seine Mutter auch. Sie sind Islamisten. Er wollte meine Tochter mit in die Türkei nehmen und sie mir weg nehmen. Sie können doch nicht einfach mit zusehen, wie er mit meinem Kind abhaut.“

Ich dachte ich höre nicht richtig. Was hatte sie gerade gesagt? Das kann doch nicht wahr sei! Das darf einfach nicht wahr sein. Wer sagt denn so etwas aus heiterem Himmel und wie kommt sie nur auf so einen Blödsinn!?

Bevor ich realisieren konnte was los war, standen die Polizisten schon wieder vor mir. Klar, wenn sie Islamist hören, sind sie ganz schnell. Einer der Beiden richtete das Wort an mich, diesmal aber der andere. Ein kleiner, dicklicher Mann mit Schnurrbart, der einen sehr strengen Gesichtsausdruck hatte. Er sagte:

„Also Herr Yilmatttzz, Yilmas oder wie man Ihren Namen sagt… Das hört sich ja schon ganz anders an was ihre Ex-Freundin da erzählt. Wenn das so ist möchten wir Sie bitten ihre Tochter an ihre Ex-Freundin zu übergeben und für eine Aussage mit aufs Revier kommen. Wir müssten da noch einiges prüfen.“

Der Schock saß noch tief, aber ich antwortete schnell:
„Sie können meinetwegen alles prüfen was sie wollen. Ich hatte nie vor mit meiner Tochter in die Türkei zu fahren. Das ist völliger Quatsch. Rufen sie bei allen Fluggesellschaften an, die werden nichts finden, weil ich nämlich nicht fliegen will. Es ist alles so, wie ich ihnen gesagt habe und ich werde mein Kind nicht meiner EX-Freundin geben!“

„Herr Yilmas, wenn doch alles okay ist, warum streuben sie sich dann so dagegen das Kind ihrer Ex-Freundin zu geben? Damit erhärten sie doch den Verdacht, dass sie abhauen wollen um sich samt Baby in der Türkei abzusetzen. Sonst hätten sie doch kein Problem damit das Kind ihrer Ex-Freundin auszuhändigen.“

„Ich kann ihnen sagen weshalb ich ein Problem damit habe. Gestern Nacht kam meine Freundin sturzbetrunken nach Hause und wenn ich sturzbetrunken sage, dann meine ich sturzbetrunken. Sie schmiss eine Vase um und torkelte lallend durch die Wohnung. Glauben Sie, dass ich mein Kind bei so einer Frau lasse!? Was ist wenn das Kind mal krank ist und etwas passiert? Oder es aus dem Bett fällt. Wollen Sie das dann verantworten?“

Julia guckte mich hasserfüllt an, denn dass sie das Baby bei ihren Eltern abgegeben hatte, ließ ich natürlich aus. Eigentlich lüge ich nicht gerne, aber ich meine, Hallo! Was hatte sie denn grade für einen Quatsch erzählt? Ich sei ein Islamist und setze mich in der Türkei ab. Ich wolle mein Baby entführen. DAS ist ja wohl viel schlimmer. Und ausserdem habe ich ja nicht gelogen, ich habe ja nur ein kleines Detail weggelassen…

Der kleine dickliche Polizist ergriff erneut das Wort, aber diesmal nicht an mich, sondern an uns Beide:
„Also mir reicht es hier langsam mit Ihnen. Man weiss doch nicht, was man glauben soll und was nicht. Wir werden alles genau prüfen müssen. Wir werden genau prüfen, ob Sie ein Islamist sind, Herr Yilmas. Und glauben sie mir, wir bekommen alles raus. Jeden Moscheebesuch und jede Hasspredigt die sie besucht haben. Wir werden Ihren muslimischen Freundeskreis auseinander nehmen und schauen, ob sich davon schon einmal jemand samt Kind abgesetzt hat. Und Sie, Frau Hölscher, werden wir auch überprüfen. Wie oft sie weg gehen und wie oft sie tatsächlich betrunken sind. Auch bei Ihnen werden wir alles erfahren, denn sie glauben gar nicht, wie gesprächig Nachbarn sein können. Die werden uns mit Sicherheit sagen können, wie oft sie spät Nachts nach Hause kommen. Sie müssen sich aber, bis wir die Ergebnisse haben, darauf einigen wer das Kind nimmt. Wenn sie das aber nicht können, geben wir das Kind für die Zeit, in der wir sie prüfen, in die Obhut des Jugendamtes. Dieses wird dann sowieso am Ende entscheiden, bei wem das Kind besser aufgehoben ist.“

Der Gedanke daran, dass mein Kind in die Obhut des Jugendamtes kommt bereitete mir Magenschmerzen. Mein Kind in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie? Niemals. Nicht einmal für eine Nacht. Julia schien das ganze weniger zu interessieren. Jedenfalls zeigte sie es mir nicht. Es kann natürlich sein, dass sie wusste, ich würde mein Kind niemals dem Jugendamt übergeben. Das ich schwach werde und das sie deshalb einen auf knallhart machte. Jedenfalls war sie einverstanden, dass das Baby in die Hände des Jugendamtes kommt, hauptsache sie sei nicht bei mir. Auch kann es sein, dass sie die Polizei mit ihrer Haltung in der Meinung erhärten wollte, dass ich tatsächlich vorhatte mit der Kleinen in die Türkei zu flüchten. Ich wusste nicht, was sie damit bezweckte, nur wusste sie, dass sie erreicht hatte was sie wollte. Ich stimmte ein, dass das Kind zu Julia kommt. Denn niemals hätte ich es übers Herz bringen können sie dem Jugendamt zu geben.

Ich brachte die Kleine raus und ohne einen Ton zu sagen, verschwand Julia mit der Kleinen. Der Polizist brachte nur noch ein „Sie hören von uns“ über die Lippen.

Ich schaute Julia und der Kleinen noch schweren Herzens aus dem Fenster nach, als ich sah, wie Julia sich noch kurz mit der Polizei unterhielt. Das Fenster war gekippt, was mich den Polizisten sagen hören ließ:

„So Frau Hölscher, jetzt haben sie ja ihr Baby. Machen sie sich keine Sorgen mehr, jetzt kann er ja nicht mehr mit ihr in die Türkei fliegen. Leider gibt es heutzutage viele muslimische Männer die ihre Kinder entführen. . . “

Ich drehte mich vom Fenster weg, denn mehr wollte ich nicht hören. Sie glaubten also wirklich, dass ich vorhatte meine Tochter zu entführen.

In diesem Moment wusste ich, das ich verlieren würde. Ich wusste, dass ich meine Tochter verlieren würde…

Die nächsten Monate sollte ich einen Sorgerechtskampf mit Julia haben. Eine regelrechte Schlacht sollte es werden. Ein Kampf, um unsere Tochter. Ich kann euch nicht sagen wie ich diese Zeit überlebt habe, ich weiss nur, dass ich in dieser Zeit zu einem gebrochenen Mann wurde. In den Monaten der etlichen Gerichtsverhandlungen und Jugendamtbesuchen lebte ich bei meiner Mutter. Ich hatte irgendwie nicht die Kraft gehabt mir eine eigene Wohnung zu suchen. Viel zu sehr ging mir das Ganze an die Substanz. Aber Allah(swt) und der Glaube an Ihn halfen mir, in dieser Zeit nicht völlig zu Grunde zu gehen.

Es war einfach alles sehr schwer für mich. Die Zeit ging so langsam vorbei und jede Gerichtsverhandlung ließ mich ein Stück mehr altern. Ich habe mich in dieser Zeit gefühlt wie ein alter Mann. Ich glaube wir hatten in 7 Monaten 5 Gerichtsverhandlungen und bestimmt mehr als 10 Besuche beim Jugendamt. Und nichts kam dabei raus. Sie wollten immer alles noch und noch mal prüfen und genau unter die Lupe nehmen. Bis sie letztendlich entscheiden wollten, wo die Kleine am besten aufgehoben ist, sollte sie bei ihrer Mutter bleiben. Die Frau vom Jugenamt sagte, sie sei dort erstmal besser aufgehoben weil die Wohnung von Julia ihre gewohnte Umgebung ist und sie einen starken Bezug zu der Mutter hat. Hallo? Zu mir hatte sie auch einen starken Bezug aber sie haben mir ja nicht die Chance gelassen das du zeigen.

Ich durfte meine Tochter jedes Wochende sehen. Ich habe diese Wochenenden sehr genossen, aber ich muss sagen, dass die Zeit mir trotzdem nicht genügte. Die zwei Tage am Wochenende kamen mir vor wie 2 Stunden und ich war immer sehr traurig wenn sie wieder gehen musste. Es hat mir einfach das Herz zerrissen nicht immer bei ihr sein zu können. Ich wollte sie ins Bett bringen, wollte sie in den Kindergarten bringen und sie trösten wenn sie weint. Ich verpasste so viel Zeit mit ihr, die ich so gebraucht hätte. So viel Zeit, die für eine Vater-Tochter-Beziehung so wichtig war. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, dass die Zeit am Wochenende doch auch reicht, aber glaubt mir, sie reicht nicht. Und ich muss sagen, obwohl die Frau vom Jugenamt mir für jedes Wochenende Besuchsrecht gab und ich meine Tochter eigentlich jedes Wochenende hätte mit zu mir nehmen dürfen, war sie nicht jedes Wochenende da. Einfach aus dem Grund, weil Julia sie mir nicht jedes Wochenende aushändigte. Sie hatte sich wahrscheinlich überlegen gefühlt. Sie schob irgendwelche Dinge vor, sagte mir, dass die Kleine krank sei und doch besser bei der Mutter bleiben solle. Oder sie sagte mir, dass sie sich schon was anderes fürs Wochenende vorgenommen hatte.

Sie hatte es natürlich in der Hand. Denn die Kleine war bei ihr und die Frau vom Jugendamt war natürlich nicht immer da um zu kontrollieren, ob ich die Kleine auch wirklich bekomme. Und so ging die Zeit also vorbei. An manchen Wochenenden sah ich meine Tochter und an anderen nicht. Es ging so weiter, bis die finale Gerichtsverhandlung stattfindete, in der die Richterin nun endgültig entscheiden wollte, wer das alleinige Sorgerecht bekommt. Wir wollten kein gemeinsames Sorgerecht. Also ich hätte mich wahrscheinlich schon damit abgefunden das Sorgerecht mit Julia zu teilen aber sie wollte es absolut nicht. Sie wollte alleine über das Kind bestimmen und das machte sie mir auch immer wieder deutlich. Vor den Gerichtsverhandlung sagen sie oft zu mir: „Ja Ahmed, dass hast du jetzt davon. Du wolltest es ja unbedingt so. Du wolltest Krieg, dann bekommst du Krieg.“

Sie verstand immer noch nicht, dass ich keinen Krieg wollte, sondern das ich einfach nur meine Tochter schützen wollte. Sie verstand es einfach nicht. Sie hatte nun die feste Absicht mir meine Tochter ganz zu entreissen. Am liebsten wollte sie, dass ich gar keinen Kontakt mehr zu ihr habe, deshalb hatte sie diese „Vorrübergangsbesuchsregelung“ auch so gestört. Sie dachte, sie sei die Starke, nur hatte sie nicht damit gerechnet das ich auch stark bin. Ich hatte mir fest vorgenommen zu kämpfen. Ich wollte kämpfen, so lange bis mich meine Kraft verlässt. Nur leider verließ mich meine Kraft an jedem Tag ohne meine Tochter mehr und mehr.

Der Tag der finalen Gerichtsverhandlung rückte immer näher und eine Frau vom Jugendamt kam fast täglich vorbei. Sie stellte Fragen um Fragen und schaute sich immer wieder die Wohnung an. Sie sagte, sie müsse prüfen, ob im Falle eines Gewinnens meiner Seite genug Platz für die Kleine da sei oder ob man sich nach einer anderen Wohnmöglichkeit umsehen müsse. Ich wusste nicht wie ich das hätte machen sollen. Ich konnte mir keine Miete leisten, denn durch den ganzen Stress und die ganzen Verhandlungen hatte ich meine Arbeit verloren. Ich lebte nun von Arbeitslosengeld und von der Rente meiner Mutter bezahlten wir ihre Miete. Das ich meine Arbeit verloren hatte war natürlich ein Minuspunkt für die Entscheidung um das Sorgerecht und das wusste ich. Aber ich hatte ja nichts machen können. Die Kraft um nach einer neuen Arbeitsstelle zu suchen hatte ich nicht, viel zu sehr nahmen mich diese ganzen Verhandlungen und der Streit um meine Tochter mit. Ich hatte in den letzten sieben Monaten 12 Kilo abgenommen, was mich trotz meiner recht jungen 26 Jahren aussehen ließ wie ein alter Mann.

Es kam also zum Tag der Gerichtsverhandlung. Meine Mutter und ich standen schon sehr früh auf um gemeinsam zu beten. Ich war an diesem Morgen so nervös, aber das Gebet gab mir wieder ein stückweit Ruhe. Ich muss sagen, meine Mutter hatte mich die ganzen 7 Monate so extrem unterstützt, ich weiss gar nicht wie ich ihr das jemals danken kann. Sie war immer an meiner Seite, war bei jeder Gerichtsverhandlung dabei und begleitete mich bei jedem Jugendamtbesuch. Auch an diesem Tag war sie wieder an meiner Seite. An dem Tag, der alles entscheiden sollte.

Wir fuhren mit dem Auto zum Gerichtssaal. Meine Hände schwitzten so sehr, dass mir das Lenkrad immer wieder aus den Händen rutschte. Mein Hals war trocken und ich räusperte mich ständig. Meine Mutter versuchte mich die ganze Zeit zu beruhigen. Sie sagte mir immer wieder, dass alles so kommt wie Allah (swt) es schon geschrieben hat. Und das ich, egal was kommt, immer auf Allah (swt) vertrauen soll. Selbst wenn ich verlieren sollte, würde das Leben trotzdem weiter gehen. Aber das konnte ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht vorstellen. Ich konnte mir noch nicht vorstellen, dass mein Leben wirklich weiter gehen sollte, wenn ich verliere. Jedenfalls habe ich nicht daran geglaubt, dass ich noch mal wirkliche Lebensqualität erlangen kann, wenn ich meine Tochter verliere. Ich dachte wirklich, dass es mich zerfressen wird, wenn es so kommt. Aber ich hatte ja noch die Hoffnung, dass ich gewinne.

Beim Gericht angekommen suchten wir einen Parkplatz. Es war ein sehr großes Gericht, subhanAllah. Die ganzen anderen Verhandlungen hatten in einem kleinen Gerichtssaal ausserhalb stattgefunden. Aber diese Endverhandlung war in diesem monströsen, angsteinflößenden und riesigen Gebäude. Der Weg zum Eingang kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Ich weiss nicht wie oft, aber ich hatte auf dem Weg ständig das Gefühl, dass ich nicht mehr atmete. Immer wieder musste ich tief einatmen um zu wissen, dass ich wirklich noch am atmen war. Mein Herz schlug so schnell, dass es  sich so anfühlte jeden Moment schlapp zu machen, weil es diese schnellen Schläge nicht mehr aushält. Mein Herz schlug mit so einer Wucht gegen meine Brust, das ich mir einbildete, es durch meine Jacke schlagen zu sehen. Meine Mutter fasste mir auf die Schulter, was mich wieder in die Realität zurück holte.

Als wir endlich angekommen waren öffneten wir die riesige Tür, die ins Gerichtsgebäude führte. Als wir eintraten traute ich meinen Augen nicht. Zwei riesige Treppen. So hohe Treppen hatte ich wirklich noch nie gesehen. Oben an der Decke hing ein Kronleuchter, der so groß war wie mein Auto. An der Treppe standen zwei Schilder, Wegweiser würde ich dazu sagen, die zeigten wo sich die einzelnen Gerichtssäle befanden. Ich musste zu Gerichtssaal 156/5. Ich suchte die Tafel ab und fand diese Nummer einfach nicht. Ich sah aber auch nicht wirklich gut, denn meine Sicht verschwomm immer wieder. Der Schweiß ran von meiner Stirn in meine Augenhöhle. Immer wieder habe ich mit meiner Hand meine Augen gerieben. Wirklich, ich hatte das Gefühl, dass ich jeden Moment zusammenbreche. Ich hatte das Gefühl mich nicht mehr kontrollieren zu können. Ich konnte gar nichts kontrollieren. Nicht meine Gefühle und auch nicht meinen Körper. Ich zitterte und schwitzte zugleich. Meine Mutter merkte meine Verzweiflung, nahm mir den Zettel aus der Hand, auf dem die Nummer des Gerichtssaales stand zu dem ich musste. Sie suchte auf der Tafel nach der Nummer und sie fand sie auch direkt. Sie fasste mich am Arm und sagte mir, dass ich mich zusammenreissen soll. Ich versuchte es.

Wir gingen zusammen die gefühlten 200 Stufen zum Gerichtssaal hoch als ich Julia schon davor stehen sah. In mir löste es in letzter Zeit immer wieder unbehagen aus sie zu sehen. Ich musste immer wieder daran denken wie hinterlistig und erbarmungslos sie ist. Aber auch musste ich, wenn ich sie sah, immer wieder daran denken, wie dumm und naiv ich damals war. Wie hatte ich mich nur auf sie einlassen können? Wie hatte ich so eine Frau nur lieben können? Ich wusste es nicht.
Wir saßen noch ungefährt 10 Minuten auf den Stühlen vor dem Gerichtsaal, Julia natürlich 5 Stühle von uns Islamisten-Pack entfernt, bis wir in den Gerichtssaal gerufen wurden.

Im Saal war die Richterin, zwei Männer die neben ihr standen, eine Gerichtsschreiberin und die Frau vom Jugendamt. Und natürlich wir. Wir setzten uns auf getrennte Bänke und wurden noch einmal einzeln vernommen. Jeder durfte noch mal seine Geschichte und seinen Standpunkt erzählen. Ganz zu meinem Leidwesen. Als Julia dran war und die Richterin sie fragte, weswegen sie das alleinige Sorgerecht haben wolle, fing sie an zu weinen. Sie sagte mit bibbernder Stimme:

„Wissen sie eigentlich wie schwer das ist mit einem Islamisten verheiratet zu sein? Eingesperrt wie in einem Käfig? Nichts durfte ich machen. Er hatte immer das Sagen und ich musste seine Untergebene sein. Ich durfte nicht mal alleine raus gehen, können sie sich so etwas vorstellen? Aber er durfte immer raus gehen, er ging immer in die Moschee, zu seinen Hasspredigten und lies dann das, was er dort gehört hatte, zuhause an mir aus. Wissen sie wie schlimm sowas ist? Ich will doch nur meine Tochter vor diesem Menschen beschützen. Ich bin mir sicher, wenn er weiss, dass er seine Tochter für immer nur am Wochenende sehen darf, wird er sie entführen. Ja, dann wird er mit ihr in die Türkei abhauen. Das hat er mir schon angedroht. Er sagte mir, ich solle sie lieber freiwillig an ihn abgeben, er würde sie sowieso bekommen und notfalls mit Gewalt mitnehmen.“

Als ich diese Worte hörte blieb mir meine Spucke im Halse stecken. Das gibt es doch wohl nicht. Was ist sie nur für ein Mensch. Wie kann sie nur so etwas sagen. Das darf doch nicht wahr sein. Unfähig meine Gedanken zu ordnen saß ich da, ich saß da wie ein Häufchen Elend, das gerade einen Schlag ins Gesicht bekommen hatte. Ich war einfach nur geschockt. Geschockt und wahnsinnig traurig. Aber auch sauer, sehr sauer. Ich dachte niemals, dass ein Mensch in der Lage sei, sich so einen verlogenen Dreck aus den Fingern zu saugen. Immerhin war doch ich derjenige, der unter Julias Befehl stand. Sie machte zuhause die Vorschriften. Wegen ihr bin ich nicht mehr zur Moschee gegangen. Immer hatte ich versucht ihr alles recht zu machen. Und jetzt? Jetzt dreht sie alles um, aus Dank dafür. Sie kränkte mich und trat buchstäblich auf meine Ehre. Ja, sie nahm mir den letzten Stolz den ich noch hatte. Wie kann man nur so lügen? Musste ich jetzt auch lügen? Wie kann ich denn jetzt noch gewinnen?

Als ich dran kam erzählte ich der Richterin alles. Ich erzählte ihr von der Nacht in der Julia besoffen war und ich erzählte ihr, dass das Kind meiner Meinung nach besser bei mir aufgehoben ist, da es bei mir z.B. keinen Alkohl gibt. Ich sagte der Richterin wie sehr ich mich sorgte und das ich es nicht verantworten kann, dass meine Tochter bei einer Frau aufwächst die den Alkohl und die Partys der Familie vorzieht. Ich erzählte ihr alle meine Bedenken und meine Ängste. Ich erzählte ihr meine Vorteile und sagte ihr, dass ich keinesfalls ein Islamist sei. Ich erzählte ihr vom Islam und das dieser mir vorschreibt, meine Familie immer gut zu behandeln. Ich sagte ihr, dass ich Julia niemals Vorschriften machte und das ich sie immer nur schützen wollte.

Das schien die Richterin aber alles nicht zu interessieren. Sie hörte die Frau vom Jugendamt an die eigentlich eher neutral geurteilt hatte. Sie sagte, dass das Kind ihrer Einschätzung nach bei beiden gut aufgehoben ist und das sie ein gemeinsames Sorgerecht vorschlägt. Sie sagte aber auch, dass sie vorschlage, dass das Mädchen die meiste Zeit bei der Mutter ist weil der Vater ja arbeitslos ist und die Wohnung der Mutter des Vaters etwas klein ist. Aber im Großen und Ganzen denke sie, dass beide Elternteile gute Eltern sind, ihr Kind sehr lieben und sich um das Wohl der Kleinen sorgen können.

Das klang ja schon mal gar nicht schlecht. Mit einem gemeinsamen Sorgerecht wäre ich ja auch direkt einverstanden gewesen, hauptsache ich verliere meine Tochter nicht. Ich hatte wieder Hoffnung nach der Aussage der Jugendamtfrau. Ich hatte wieder Hoffung, dass ich meine Tochter nicht ganz verlieren werde, denn die Frau hatte ja nicht wirklich negativ über mich geurteilt. Na gut, die Wohnsituation war das eine, aber das ist ja kein Grund einem Vater GANZ das Sorgerecht zu entziehen, oder? Nein, dass konnte kein Grund sein.

Ich fühlte mich schon einigermaßen sicher und dachte, dass ich wenigstens ein gemeinsames Sorgerecht erreichen könnte als die Richterin die beiden Polizisten als Zeugen aufrief, die damals bei mir vor der Tür standen und diese ganzen Verhandlungen ins Rollen brachten. Sie fragte sie über uns aus und fragte sie, zu welchen Ergebnissen sie kamen, nachdem sie uns Beide eingehend überprüft hatten. Und was ich dann hörte, vergesse ich nie in meinem Leben.

Sie sagten, dass sie über die Mutter nichts Schlechtes heraus gefunden hatten. Sie sei nur einmal in der Woche in der Disco, aber sie sei ja auch noch jung. In der Zeit, in der sie unterwegs ist, hatte sie auch immer das Kind zu ihren Eltern gebracht und somit ihre Sorgfaltspflicht und die Verantwortung erfüllt. Also gäbe es über die Mutter nichts Negatives zu sagen. Guter Job und keine Vorstrafen. Also von Seiten der Polizei ist nichts gegen die Mutter vorzuweisen. Der Vater aber ginge zu einer Moschee die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sie stehe unter Verdacht Hasspredigen zu halten und zu hetzten. Sie hätten das eingehend geprüft und kämen zu dem Entschluss, dass der Vater ein potenzieller Islamist sei und einen streng religiösen Freundeskreis habe. Auf die Frage, ob sie glaubten, dass es möglich sei, dass ich mich mit der Kleinen in die Türkei absetzte, sagten sie, dass es durchaus möglich sei und das es in den muslimischen Kreisen öfters vorkäme. Es sei also in keinem Fall auszuschließen. Es könne sogar sein, dass ich aus der Moschee Komplizen habe, die mir helfen könnten, meine Tochter zu entführen.

Na super, dachte ich mir. Jede Moschee steht doch heutzutage unter Beobachtung, deshalb war ich jetzt der Doofe? Deshalb war ich jetzt der Böse? Es wäre möglich, dass ich mit meiner Tochter in die Türkei flüchtete? Was sollte das denn jetzt alles? Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film. Das darf doch jetzt nicht wahr sein!? Ich konnte nicht glauben was da gerade passierte. Ich konnte und wollte es nicht glauben.

Ich sprang von meinem Stuhl auf und wehrte mich lautstark gegen diese Vorwürfe der Polizei. Ich argumentierte und sagte, was das für ein Quatsch sei und das ich so etwas nicht machen würde. Niemals. Das wäre gar nicht meine Art. So bin ich nicht und so werde ich nie sein. Ich wurde immer lauter denn ich sah der Richterin an, dass sie mir nicht glaubte. Sie sagte mir ich solle mich setzen und ruhig sein, ansonsten wolle sie mich aus dem Gerichtssaal abführen lassen. Ich setzte mich notgedrungen hin und versuchte ruhig zu sein. Wobei ich vor Wut fast überkochte. Ich saß da und machte eine Faust, so stark, dass meine Hand schmerzte.

Die Richterin zog sich mit ihren Helfern zurück um eine Entscheidung zu treffen. Das waren die schwersten 15 Minuten in meinem Leben. Sie kamen mir vor wie 15 Stunden. Ich saß da und zitterte vor Angst. Angst, meine Tochter zu verlieren. Immer wieder sah ich meine Tochter vor meinem inneren Auge, sah wie sie ohne mich groß wird. Und das zerbrach mich.
Die Richterin kam und sprach ihre Entscheidung aus. Die Entscheidung, die mein ganzes Leben veränderte und mir meine letzte Energie aus den Knochen saugte. Aufgrund der Vermutungen gegen mich und der Anschuldigungen der Polizei, gab sie Julia das alleinige Sorgerecht. Sie nahm mir mein Kind weg.

Was dann passierte weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur, dass ich wie ein Roboter das Gebäude verließ und auf dem Parkplatz weinend zusammenbrach. Es dauerte eine ganze Weile bis ich mich aufraffen konnte. Es war einfach ein schlimmer, ganz schlimmer Tag für mich, der mich bis heute noch manchmal Nachts verfolgt. Die Zeit nach der Gerichtsverhandlung war sehr schwer für mich. Ich war in einem richtigen Tief. Ich kam nicht mehr klar, denn ich hatte meine Tochter verloren. Die erste Zeit kam ich einfach nicht mehr mit meinem Leben klar. Es dauerte eine ganze Weile bis ich mich fangen konnte.

Ich ging regelmäßig in die Moschee und versuchte mich an die Religion zu halten, denn ich wusste, dass es das einzige ist, was mir helfen konnte. Und es half mir auch. Es heilte die Wunden nicht ganz, aber es half mir nicht komplett in meiner Trauer zu versinken. Meine Mutter war auch eine sehr große Stütze für mich und das ist sie heute immer noch. Immer wenn ich irgendein Problem habe kann ich zu ihr gehen. Sie ist einfach die beste Mutter die ich mir vorstellen kann.

Was soll ich euch noch sagen, die Zeit ging schnell vorbei und ich heiratete eine Muslimin. Eine Frau, die ich sehr liebe und sehr schätze. Ich habe mittlerweile 2 liebe Kinder die ich über alles liebe. Alhamdulillah. Ich habe die beste Familie die ich mir vorstellen kann. Aber meine Tochter habe ich nie vergessen. Auch heute nicht. 10 Jahre nach der Gerichtsverhandlung und der zerschmetternden Entscheidung denke ich noch jeden Tag an meine Tochter. Manchmal fahre ich zu ihrer Schule um sie nur ganz kurz zu sehen. Oft habe ich versucht sie anzurufen, aber Julia unterbindet jeden Kontakt. Meine Tochter kennt also ihren Vater gar nicht richtig. Ich kann nur hoffen, dass sie irgendwann alt genug ist und selber entscheidet und sich dann dafür interessiert, wer ihr Vater ist. Ich hoffe auch, dass Julia mich vor ihr nicht allzu schlecht darstellt. Was aber auch eher eine Wunschvorstellung ist.

Ich hoffe, dass jeder den Sinn dieser meiner Geschichte herausgefunden hat und weiss, was ich euch sagen will. Meine Brüder, ich hoffe, dass ihr so etwas wie ich niemals erleben müsst und das ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich. Wenn ihr euch auch verliebt habt oder eine Nicht-Muslimin als Freundin habt, die nichts mit dem Islam zu tun haben will, beendet es, bevor es zu spät ist.

So meine lieben Geschwister, nun ist die Geschichte zu Ende. Ich möchte jeden bitten der sie gelesen hat, mir einen Kommetar hier im Blog zu hinterlassen und mir zu sagen, wie die Geschichte insgesamt war. Barak Allahu feekunna:)

18 thoughts to “Meine verbotene Liebe – Das Finale”

  1. Einige denken es ist eine erfundene geschichte, eine Phantasie, die anderen meinen es ist eine wahre geschichte. Mich persönlich ist es egal, heutzutage passiert so vieles……

    Ich habe mir die ganze Geschichte gelesen und angeschaut, es war sehr glaubwürdig. Du weißt, du hast einen großen Fehler gemacht und hast dich in der Sucht von Alkohool und Partys eingelassen, dann kam noch deine große Liebe und hast dich in eine nicht muslimische Frau verliebt.

    Das könnte jeden mal passieren, bevor mann was macht sollte man gut überlegen. Wie man sagt Liebe macht blind!
    Leztenlich standest du wieder zu Allah, und bist jetzt glücklich mit deiner Familie und dein Leben.

    Unser Gott Allah wird uns immer helfen und unterstützen, wir sollten an Allah betten und dankbar sein für alles.

    Ich danke dich Bruder für so eine gute Geschichte. Das sollte eine Inspiration für alle muslimen in der Welt sein, und ich weiß wir sind nicht wenige Brüder und Muslimische Schwestern in der Welt.

    Liebe grüße dein moslimbrother

  2. Nun sind Jahre vergangen und ich lese diese Geschichte. Möge Allah dich stärken.. ich hoffe dass du in diesen Jahren deine Tochter kennenlernen durftest. Möge Allah deine Kinder segnen und ein nutzen dieser Ummah sein lassen!

  3. Hast du denke ich überlesen, schau nochmal genau 🙂 Ist aber eine Kurzgeschichte, also frei erfunden. Wie ein Roman..

  4. Ich dachte das ist eine wahre Geschichte, aber in den Kommentaren steht „schön geschrieben“. Ist sie jetzt nur ausgedacht oder ganz genau so passiert?

  5. Ist das eine wahre Geschichte ??
    Wenn ja was ist mit dem Kind geworden ? Hast du es jemals wleder gesehen ? Wollte sie evtl in den Jahre. Wo sie erwachsen geworden ist ihr leiblichen Vater wieder Sehen ?

  6. Salam Aleykum wa rahmatullah wa barakatuh
    Diese Geschichte ist eine sehr schöne Geschichte vallahi ich war keinen moment gelangweilt und ich hoffe das wir niemals auf so eine harte probe gestellt werden

    Alaykum Salam

  7. Salam Aleikum,

    mein Mann und ich haben eine ganz ähnliche Geschichte hinter uns. Nur das seine Ex.Frau eine Muslima ist, zumindest auf dem Papier. Wir haben zwei Jahre gekämpft, um seine Kinder, die nicht bei einr Mutter bleiben wollten, die nur aggressiv und gewaltätig ist. Die Mutter hat auch gelogen, dass sich die Balken biegen, unglaublich. Zwei Jahre hat jeder ihr geglaubt, mein Mann stand auch immer als der böse Islamist da. Aber wir haben gewonnen. Das Kartenhaus aus Lügen und Haß ist nach und nach zusammen gebrochen, die Kinder bei uns. Ich finde deine Geschichte sehr gut. Jeder hier redet von armen unterdrückten Frauen und den bösen prügelnden muslimischen Männern, kaum einer weiß wie oft es andersherum ist und zwar nicht nur von Nicht Muslimas , sondern auch von sogenannten Schwestern. Sehr schön geschrieben und sehr wichtig dieses Thema.

  8. Bismillah

    Assalamu alleikum,

    die Botschaft ist angekommen und auch vollkommen richtig. Leider gibt es immer noch viele Brüder, die genau in solchen Situationen stecken oder gesteckt haben, subhan allah. Möge allah, azza wa jal, sie rechtleiten und ihnen beistehen. Amin
    Ich finde nicht das Du alle über einen Kamm scherst in der Geschichte, denn leider ist sie viel zu oft realität. Wenn die Geschichte wahr ist, dann al hamdu lillah das der Bruder seine Hidaya bekommen hat und heute als praktizierender Mann glücklich ist…ohne Allah, azza wa jal, kann man nicht glücklich sein…weil man keine Hoffnung haben kann.
    Wenn die Geschichte erfunden ist, dann sehr realitätsnah, subhan allah. Ich konnte in dieser Geschichte nichts finden was man nicht schonmal so gesehen oder gehört hat…leider!

    Hie rgeht es auch nicht um irgendwelche „Seiten“ den dann würde die Liste entlos lang werden. Es ging um eine Botschaft, die klar zu erkennen ist!

    Also ich finde „gelungen“ und sende islamische Grüße.

  9. salem u alejkum meine Schwestern im Islam,

    Meiner Meinung nach ist das doch immer noch eine Geschichte, die man nicht persönlich nehmen sollte, -sie entspringt doch (denk ich mal ) nur der Fantasie. Ich mein wie viele Liebesroman-Autoren gibt es, die eine Geschichte schreiben, aber da kommen die Leser auch nicht auf die Idee, dass der Autor alle in einen Topf schmeißt, nein, es ist doch nur ein Ursprung der Fantasie.
    wa salem meine Lieben^^

  10. Asalamu aleikum meine lieben Schwestern, da es jetzt schon 2 Schwestern sind die denken, dass ich alle über einen Kamm schere, möchte ich euch inshaAllah ta’ala gerne ein Beispiel geben.
    Meine Mutter hat eine Bekannte, dessen Schwester ist mit einem Algerier verheiratet und sie haben ich glaub 3 Kinder. Er ist muslim sie aber keine Muslima. Ich habe einmal ein Gespräch meiner Mutter mit ihrer Bekannten mitbekommen, es ging um dieses Thema (Muslime etc.). Jedenfalls sagte die Bekannte, dass ihre Schwester zwar zuhause vor dem Mann kein Schwein esse und es den Kindern auch nicht geben würde, aber draußen den Kindern Schwein gibt und sie auch alle bei Familienfesten immer Schwein essen(wenn der Mann nicht dabei ist)
    Sie fügt sich also zuhause aber draußen lernt sie ihren Kindern etwas anderes. Denn sie denkt, dass die Regel kein Schwein zu essen lächerlich von ihrem Mann ist und so hintergeht sie ihn.

    Das ist ein beispiel, aber das ist KEIN einzelfall. Leider. Natürlich sind nciht alle gleich und es gibt viele, mashaAllah, die den Islam annehmen. Nur sollte sich keine Beziehung entwickeln solange die Frau den Islam nicht angenommen hat oder nicht wenigstens mit den Regeln der Religion auskommt und sich ihnen anpasst. Denn das wäre wie schon gesagt für gemeinsame Kinder fatal, wie man im Beispiel „julia und Ahmed“ sieht.

  11. Schwester, ich denke die Sache ist das Julia hier von vorne herein dem Islam sehr abgeneigt war. Nur hat Ahmed da nie nach gefragt, was sein Fehler war. Warst du dem Islam von vorne herein eher abgeneigt und hast du deinem Mann verboten, zur Moschee zu gehen? Ich glaube und hoffe nicht 🙂
    Es ist nun mal fakt das es oft vorkommt, dass Muslime eine deutsche Freundin haben, Kinder bekommen, dann trennt sich einer vom anderen und das Kind wird 100% nicht muslimisch erzogen.. Der Vater hat dann keine Chance mehr sein Kind den richtigen Weg zu zeigen. Bei diesen Kindern kann man dann nur noch hoffen und Allah (swt) bitten, dass sie wenn sie selber entscheiden können und erwachsen sind, sich mit dem Islam auseinander setzen wollen.
    Was ich mit dieser Geschichte verdeutlichen wollte ist, dass es für einen gläubigen Muslim besser ist, eine gläubige Muslima zu heiraten, damit so etwas schlimmes wie Ahmed passiert ist nicht vorkommt <:) Deine für deinen Kommentar liebe Schwester und ich freue mich sehr, dass du zum Islam gefunden hast 🙂

  12. Deine Geschichte ist sehr schön geschrieben. Aber etwas stößt mir doch auf an der Sache. Ich war auch keine Muslimin als ich meinen Mann kennen gelernt habe. Auch als wir geheiratet haben bin ich nicht konvertiert. Erst nach zwei Jahren Ehe bin ich konvertiert. Ich finde Du scherst hier alle über einen Kamm.
    Das schmerzt mich. Du hast eine wirklich schlechte Erfahrung gemacht, suhanallah. Aber es sind nicht alle Menschen so. genausowenig wie alle Ausländer nur nach Deutschland kommen und Frauen wegen des Aufenthalts heiraten und nicht alle Türken ihre Kinder in die Türkei „entführen“.
    Schlechte Erfahrungen haben „beide Seiten“ gemacht. Aber deswegen nun alle schlecht zu reden, ich weiß nicht.

    Salam Anja

  13. Mashallah, baraku lahu fiki. Schwester deine Geschichte ist grandios. Allgemein kann ich sagen, dass der Teil, wo der Vater starb für mich am emotionalsten war, hab sogar’n Tränchen verdrückt ;-).
    Wie du das Ende gemacht hast fand ich super, denn klar, Julia zur Muslimin werden lassen und ein Happy End machen wär ja schön und gut, nur finde ich , so wie du das gemacht hast, lernt man am ehesten fürs Leben. Mit manchen Sünden die man begeht, gibt es halt nicht immer im Leben ein Happy End, – vor allem hatte ja Ahmed die ganze Zeit die Chance gehabt den Geraden Weg zu gehen, auch in der Zeit wo er mit dem Gebet angefangen hat.

    Das sollte und allen eine Lehre sein: einmal zurück zum Islam gekehrt darf man nicht wieder abfallen, denn wer weiß…

    salem u alejkum (ich geh schlafen es ist schon 1.26 Uhr früh)

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