Meine verbotene Liebe – Teil 4

Ich war wie versteinert. Wie kann sie mich vor so eine Wahl stellen? Nur weil ich nicht mehr mit ihr auf Partys ging und mein Leben ein wenig ändern wollte, konnte sie mir doch nicht so einen Hammer vor den Kopf hauen. Ich sollte mich entscheiden zwischen meiner Familie und meiner Religion? Aber wieso geht denn nicht beides? Wie so oft in den letzten Wochen wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich stand da und war einfach nur sprachlos. Julia schaute mich wütend und fordernd an.

Sie dachte wahrscheinlich, ich entscheide mich jetzt direkt für sie und das Baby und dann hat sich die Sache. Aber so einfach war das nicht. Ich wusste im ersten Moment gar nicht wie ich mit der Situation umgehen sollte. Ich wusste nicht, ob ich weinen, schreien oder lachen sollte. Mir kam das ganze so unwahrscheinlich lächerlich vor. Wie konnte sie mich nur vor diese Wahl stellen? Als ich meine Sprache wieder fand und das entsetzten sich ein wenig aus meinen Knochen gelöst hatte, sagte ich zu ihr:
„Das ist doch jetzt wohl nicht dein Ernst? Sag mir bitte, dass das ein Scherz sein soll.“

„Nein Ahmed, das ist mein voller Ernst. Du glaubst gar nicht wie ernst ich das meine. So wie du dich verändert hast lässt du mir doch gar keine andere Wahl. Weisst du noch, früher, da sind wir oft zusammen raus gegangen und hatten Spaß. Ja, wir hatten Spaß miteinander. Haben gefeiert und gelacht. Mit Freunden ausgelassen das Leben genossen. Was ist jetzt? Sag mir, was jetzt ist. Jetzt gehst du jeden Freitag zu deiner Moschee. Den Freitag, den wir sonst mit unseren Freunden in „Kellys Bar“ waren. Jetzt muss ich jeden Freitag alleine hingehen und nicht mal das passt dir. Stundenlange Diskussionen bevor ich gehen darf. Wer sind wir denn? Du bist Ahmed aber ich bin nicht Aischa. Merk dir das. Du kannst mir nichts vorschreiben, ich bin mein eigener Mensch. Ich will unser altes Leben wieder und wenn du das nicht willst, dann kannst du gehen.“

„Julia meine Güte jetzt beruhige dich doch erstmal. Ich habe dir doch erklärt warum ich nicht weg gehe und weshalb ich nicht möchte, dass du raus gehst. Ich habe es dir erklärt und dachte eigentlich, dass du es verstehen würdest. Der Islam ist mein Glaube. Ich bin ein Muslim, dass war dir doch von vorne herein klar. Was erwartest du jetzt von mir? Das ich wegen dir nicht mehr glaube? Erwartest du das von mir? Wieso kannst du mich denn nicht so nehmen, wie ich bin? Wir haben ein kleines Kind zusammen, vergiss das nicht. Wir sind Eltern, wir haben Verantwortung. Die kleine braucht ihre beiden Eltern, nicht nur dich.“

Bevor ich noch etwas sagen konnte holte sie aus:
„Das hat nichts mit der Kleinen zu tun. Das ist eine Sache zwischen uns beiden, das ist ein Beziehungsding. Die Kleine kommt auch ohne ihren Vater zurecht. Du könntest sie ja jedes Wochenede besuchen. Jedenfalls bleibt die Kleine bei mir, wenn du dich gegen uns entscheidest. Aber du hast ja noch die Wahl.“

Als ich das hörte blieb mir das Herz stehen. Den Gedanken daran meine kleine Tochter zu verlieren, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich liebte sie mehr als alles andere. Und meine Aufgabe war es, sie immer zu beschützen. Ich wollte einfach nur immer bei ihr sein und auf sie Acht geben. Wollte sie großziehen und ihr beim Großwerden zuschauen. Das sie ohne mich wächst und ihre ersten Schritte macht konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Und Julia wusste das. Sie wusste, wie sehr ich meine Tochter liebte und das ich alles aufgeben würde, nur um bei ihr zu sein. Julia nutze dieses Wissen aus und ich hasste sie dafür. Ja, für eine Weile hasste ich sie dafür. Denn sie befahl mir, mich zwischen den beiden wichtigsten Dingen in meinem Leben zu entscheiden: Zwischen meiner Religion und meiner Tochter. Julia liebte ich natürlich auch noch, aber es ist mit der Zeit eher zu einer Hassliebe geworden. Ich meine, wie würde es euch gehen wenn euch derjenige den ihr liebt, so ein krasses Ultimatum stellt?

Mir ging es jedenfalls richtig schlecht. Meine ganze Welt schien in diesen paar Minuten zusammen zu brechen. Ich stand da und starrte Julia nur noch an. Ich war sprachlos und wusste nicht, was ich ihr jetzt noch sagen sollte. Wie sie da vor mir stand mit diesem fordernden Blick und dieser abweisenden Körperhaltung. Ihre Arme hatte sie ineinander verschränkt und sie guckte mich mit weit aufgerissenen, fordernden Augen an. Was ist sie nur für eine Frau, dachte ich mir. Wie kann sie so etwas machen und dann auch noch so da stehen? Wieso bin ich damals mit ihr zusammen gekommen? Was hatte ich so an ihr geliebt? Das offene, lockere und freche? Das selbstbewusste, selbstsichere und taffe? Das was ich jetzt nur noch mit Arroganz und bodenloser Frechheit beschreiben würde? Das, was mir jetzt zum Verhängnis geworden war…

Ich war so durcheinander und so wütend. Wie ich mich entscheiden sollte, wusste ich nicht. Doch, ich wusste eigentlich, dass ich mich für meine Religion entscheiden sollte. Aber ich wollte meine Tochter nicht verlieren. Der Gedanke daran zerriss mein Herz.

Ich entschied mich also für die Familie. Natürlich wollte ich meine Religion nicht aufgeben und glaubte auch noch weiter. Aber ich glaubte nur noch im Herzen. Nicht mehr mit meinen Taten. Ich betete wenn Julia bei der Arbeit war und ging nicht mehr zu Moschee. Jeden Freitag bin ich wieder mit in diese bescheuerte Bar gegangen.

Julia gab sich sehr Mühe nachdem sie wusste das ich bei ihr blieb. Sie kroch mir regelrecht in den Hintern. Sie machte mir wieder mein Essen, wusch sogar gnädigerweise wieder meine Wäsche. Das was sie alles nicht mehr machte als wir uns ihrer Meinung nach zu sehr unterschieden haben.

Sie war sogar wieder nett zu mir. Ja, wie konnte sie auch anders. Ich meine, jetzt hatte sie ja das was sie wollte. Sie hatte mich handzahm. Hatte mich dahin gebracht, wo sie mich haben wollte, hatte mich wieder in mein altes Leben geschleudert und mir mein neues genommen. Nein, ich hatte es mir selber genommen, ich hätte ja nicht auf sie hören müssen.

Ich passte mich also wieder an. Am Anfang viel es mir sehr schwer und ich vermisste die Moschee und meine Brüder. Oft kamen auch welche von ihnen zu mir nach Hause um zu fragen, weshalb ich nicht mehr komme. Ich konnte sie aber nicht rein lassen und konnte ihnen auch nicht sagen, weshalb ich nicht mehr zur Moschee kam. Ich hatte mich geschämt, hatte mich für mein Zuhause, mein Leben und für meinen Entschluss geschämt. Ich hatte mich nur noch wie ein halber Mann gefühlt, weil ich es zuließ, dass eine Frau über mein Leben bestimmte. In der Wohnung hangen Poster von Julias Lieblingsband. Im Flur hatten wir ein riesiges Bild von Marilyn Monroe und ihrem bekannten kurzen Rock hängen. Im Wohnzimmer stand eine riesen Weinbrand Flasche, die Julias Eltern selber gebrannt hatten. Wie sollte ich denn da bitte meine Brüder aus der Moschee herein lassen?

Ich sagte ihnen, dass ich mich melden würde. Sie hatten gemerkt das irgendetwas nicht stimmt aber hatten auch nicht weiter nachgehakt.  Sie wollten sich wahrscheinlich nicht einmischen, boten mir aber natürlich ihre Hilfe an, indem sie mir sagten, dass ich mich immer melden kann, egal was ist. Die Moschee sei ja immer offen, sagten sie mir. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich schon allzu bald auf ihr Angebot zurück kommen würde.

Es ging also so weiter, dass ich mich anpasste und wieder ein Stück weit so wurde wie ich früher war. Sehr zu Julias Wohlgefallen natürlich. Ich ging wieder auf Partys, zwar nicht so oft wie damals aber ich ging, und ich fand auch wieder etwas gefallen daran. Ich will ja ehrlich sein, diese Musik und die Feiern hatten mir schon wieder ganz gut gefallen. Das einzige womit ich aber endgültig abgeschlossen hatte war der Alkohl. Das war gar nichts mehr für mich. Zumal ich wusste wie sehr das Sünde ist. Damit hatte Julia kein Problem. Das wäre ja auch noch schöner gewesen. Das ich kein Alkohl trank und kein Schwein aß, damit kam sie gut klar. Ich werdet es nicht glauben aber sie verzichtete in unserer Wohnung sogar auf Schweinefleisch. Sie passte sich also auch etwas an mich an, auch wenn es nur ganz wenig war. Ich sah in jedem kleinen Schritt, einen Schritt in die richtige Richtung. Ich träumte immer noch davon mit meiner Familie glücklich zu werden und hatte immer noch die Hoffnung, dass es mit Julia und mir gut ging.

Und es ging auch gut. Zumindest erstmal. Wir lebten zusammen und gingen immer wieder Kompromisse ein. Julia versprach mir, nicht mehr alleine feiern zu gehen und ich versprach ihr, mich weiterhin von der Moschee fernzuhalten. Ich weiss nicht warum, aber sie wollte einfach nicht das ich in die Moschee gehe. Für sie war jeder der mehr als einmal am Tag betet ein religiöser Irrer. „Wofür leben diese Menschen denn?“ Das fragte sie mich immer wieder. Meine Versuche ihr zu erklären, dass wir alle von Gott kommen und auch wieder zu ihm zurück kehren schlugen immer wieder fehl.

Ja gut, der Glaube an Gott ist das eine, aber sein ganzes Leben nur damit zu verbringen das andere. So dachte sie auch, dass jeder der in die Moschee geht ein potenzieller Attentäter ist und ein Bombenlager zuhause hat. Fragt mich nicht, woher sie diese Meinung hatte. Aber ich denke, sie hatte diese Meinung schon bevor sie mich kennenlernte, sonst würde sie ja nicht so fest in ihrem Kopf verankert sein. Ja, sie muss sie schon gehabt haben bevor ich sie kannte, nur leider wusste ich das nicht. Ich Depp habe ja mit ihr nie über Religion gesprochen. Das war ja damals auch noch nicht wichtig für mich.

Und jetzt wurde es auch wieder von Tag zu Tag unwichtiger. Umso mehr ich mich anpasste, desto mehr kam ich auch wieder vom rechten Pfad ab. Ich dachte noch oft über Gott und den Islam nach, aber meine Gebete hatte ich vernachlässigt und der Quran verstaubte auch wieder im Schrank. Ich hatte mich also wieder angepasst und mich wieder geändert. Wirklich gut ging es mir damit nicht, denn im Inneren wusste ich, dass ich eigentlich meine Religion ernster nehmen musste und sie befolgen sollte. Aber ich verdrängte es jeden Tag und verscheuchte diese Gedanken aus meinem Kopf. Was blieb mir auch anderes übrig? Ich wollte meine Familie nicht verlieren und dafür musste ich eben Abstriche machen. Heute weiss ich, ich hätte es nicht machen dürfen. Niemals.

Dann kam dieser eine Abend. Der Abend, der alles veränderte. Ich kam um circa 19:00 Uhr von der Arbeit nach Hause. Ich erwartete wie jeden Abend meine Freundin und mein Baby zuhause. Aber als ich aufschloss empfing mich nicht meine Freundin, sondern eine leere Wohnung. Ich suchte alles ab auf der Suche nach einem kleinen Zettel, der mir sagen sollte, wo sich Julia und die Kleine aufhielten. Sie schrieb mir immer einen Zettel, auch wenn sie nur zum Einkaufen war. Aber diesmal war keiner zu finden. Ich hatte mich schon ganz schön gewundert und mich gefragt, wo sie sind. Ich meine, die Kleine ist noch ein Baby, sie wird um diese Zeit vielleicht nochmal gefüttert aber dann schläft sie eigentlich. Wo ist sie denn dann mit ihr hin?

Ich rief auf Julias Handy an. Aus. Jetzt wurde ich langsam nervös. Wieso geht sie weg und hat dann ihr Handy aus? Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich rief bei Julias Eltern an, in der Hoffnung, dass Julia ihnen gesagt hat, wo sie hin will. Julias Mutter wusste auch wo sie war und als sie es mir sagte, fiel ich aus allen Wolken.

Julias Mutter sagte mir, dass sie bei ihrer Freundin Meike ist. Sie wollen einen Frauenabend machen und dann noch feiern gehen. Julias Mutter sagte mir, ich solle nicht sauer sein, Julia hätte das einfach mal wieder gebraucht. Sie sei ja in letzter Zeit nur noch zuhause gewesen und hatte sich nur noch um das Baby gekümmert. Da hätte ihre Mutter ihr dann halt einfach mal geraten sich zu amüsieren. Ich solle mir auch keine Sorgen machen, die Kleine ist bei ihnen und ist putzmunter.

Ich solle nicht sauer sein und mir keine Sorgen machen? Ich war stinkwütend. Wie kann sie einfach so weg gehen, ihr Kind, nein, unser Kind einfach zu ihren Eltern bringen OHNE mir Bescheid zu sagen? Ich machte mich sofort auf den Weg zu Julias Eltern um die Kleine abzuholen. Warum sollte sie jetzt da bleiben? Das sah ich gar nicht ein, ich bin doch der Vater und kann mich schon kümmern. Ich verstand überhaupt nicht wieso Julia mich nicht angerufen hatte. Ich wäre doch eher nach Hause gekommen und hätte selber auf die Kleine aufgepasst. Na klar, ich hätte nicht gern gesehen das Julia weg geht und hätte sie wahrscheinlich versucht abzuhalten, aber letztendlich hätte ich sie doch gehen lassen. Aber vielleicht war es das, was Julia vermeiden wollte. Diese Diskussionen mit mir.

Noch in meiner Arbeitskleidung und mit öligen Händen fuhr ich los um mein Kind abzuholen. Bei den Eltern von Julia angekommen traute ich meinen Augen nicht. Die Kleine saß da in einem Hochstuhl und Julias Mutter fütterte sie mit einer Wurst. Ich eilte hin, riß ihr die Wurst aus der Hand und fragte sie, ob das Schwein sei. Sie guckte mich ganz entsetzt an und sprang auf. Was mir denn wohl einfallen würde ihr einfach die Wurst aus der Hand zu reißen, die Kleine hatte doch gerade so schön gegessen.

„Ich frage dich noch einmal, ist DAS Schwein?“

„Ja sicher ist das Schwein, was soll das denn sonst sein!? Jetzt reg dich doch nicht so auf. Das Fleisch ist nicht giftig und schadet doch niemandem.“

Ich nahm meine Tochter aus dem Hochstuhl und verließ fluchtartig die Wohnung. Die Kleine weinte, sie wusste ja auch nicht was los war. Ich beruhigte sie und sang ihr im Auto ein türkisches Einschlaflied vor, was meine Mutter damals immer für mich sang. Ich schlief davon immer sehr schnell ein und es schien auch bei meiner Tochter zu wirken. Sie schlummerte vor sich hin. Ich liebte es meine Kleine schlafen zu sehen, sie sah so friedlich aus wenn sie schlief.

Zuhause angekommen legte ich sie vorsichtig in ihr Bettchen, so dass sie nicht wach wurde. Sie schlief tief und fest und schien gar nicht mitbekommen zu haben, dass ich sie ins Bett legte. Ich nahm mir aus dem Kühlschrank eine Flasche Wasser und setzte mich aufs Sofa. Ich war so wütend das Julias Mutter der Kleinen Schweinefleisch zu essen gab und ich war so wütend, dass Julia einfach gegangen war ohne mir Bescheid zu geben. Die Wut zerfraß mich innerlich geradezu.

Ich muss wohl irgendwie auf dem Sofa eingeschlafen sein, denn ich wurde wach, als die Tür knallte. Ich rieb mir den Sand aus den Augen und sprang auf. Es war dunkel und ich dachte erst, es sei ein Einbrecher, weswegen ich direkt hellwach war. Auf einmal hörte ich etwas knallen. Es hörte sich an, als sei eine Vase auf den Boden gefallen. Ich tastete an der Wand nach dem Lichtschalter und machte das Licht an.

Ich lief weiter in den Flur und dort taumelte sie mir dann schon entgegen. Julia. Sturzbetrunken. Sie hatte einen kurzen weissen Rock und eine rote Bluse an. Ihre Schminke war zerlaufen und sie stank total nach Alkohl. Sie konnte sich gar nicht mehr auf den Beinen halten. Da taumelte sie durch den Flur mit ihrem kurzen Rock und ihren hohen Stiefeln. Dieser Anblick widerte mich an. Ich ging zu ihr hin, packte sie fest am Arm und zog sie mit ins Wohnzimmer.

„Scchaadz, waas istn mit dir los? Aua, nicht so fesszte an Arm ziehööön. Ausch!“

„Du setzt dich jetzt erstmal hin.“

Ich brachte sie aufs Sofa. Dann schrie ich sie richtig an.

„Bist du bescheuert? Hast du schonmal auf die Uhr geguckt? Es ist drei Uhr Morgens. Du hast ein Kind. Du bist eine Mutter, Julia! Guck dich an wie du aussiehst. Du siehst aus wie eine Prostituierte und du stinkst so dermaßen nach Alkohl und nach Rauch. Was ist nur los mit dir? Was hast du dir dabei gedacht? Hast du überhaupt nachgedacht???“

„Ahmed, schaaddz. Cool bleiben. Ich wollte einfaaach mal wieder en büschen Spass haben, ja! Lass mich doch. Ist doch nixx dabei.“

Geantwortet habe ich ihr nicht mehr. Ich musste aufpassen, dass ich sie vor Wut nicht an die Wand klatschte. Ich ging ins Kinderzimmer, holte vorsichtig meine Tochter aus dem Bett und machte mich auf um zu gehen. Julia torkelte mir noch hinterher bis an die Tür. Sie schrie rum und weinte:
„Wooo willst du hinnn? Lass mein Babüü hier! Was machst du denn!?“

„Du legst dich jetzt hin und schläfst dich aus. Ich gehe und nehme MEIN Kind mit. Was bist du denn für eine Mutter? Lässt dein Kind einfach bei deinen Eltern und gehst dich besaufen. Ach ja, deine Mutter hat ihr eine Schweinewurst gegeben! Super oder, da ist das Baby ja anscheind sehr gut aufgehoben. Und du gehst einfach weg.“

„Na und Schwein, wieso nicht Schwein? Schwein Schwein Schwein. Alle essen Schwein, mein Kind kann auch Schwein essen. Du bist auch ein Schwein.“

„Schlaf deinen Rausch aus und bevor du nicht wieder bei klarem Verstand bist, bekommst du das Baby nicht wieder, dafür werde ich sorgen.“

Ich verließ das Haus und hörte nur noch wie sie mir hinterher schrie. Ich packte die Kleine ins Auto, die inzwischen wach war und weinte. Sie tat mir so leid. Ich wollte nicht, dass sie so etwas mitbekommt. Sie ist zu klein, sie ist noch ein Baby gewesen. Sie hatte nichts verstanden, aber sie hört die Schreie. Sie weiss, dass es laut ist und auch Babys merken dann, dass etwas nicht stimmt. Und das wollte ich einfach nicht und es tat mir leid. Es tat mir leid, dass sie es mitbekommen musste.

Ich fuhr mit ihr durch die Gegend und sang ihr wieder das Lied vor, in der Hoffnung, dass sie einschlafen würde. Und sie schlief auch ein. Alhamdulillah. So wirklich wusste ich nicht wo ich hin sollte. Meine Mutter um kurz vor 4 in der Nacht aus dem Bett holen wollte ich nicht und so fuhr ich zur Moschee.

Ich muss sagen, dass ich sehr froh war noch zwei Brüder in der Moschee anzutreffen. Es waren sogar die Brüder, die ich schon kannte. Man hat ihnen angesehen, dass sie sehr erstaunt sind das ich so spät mit meinem Baby in die Moschee gehe. Sie hatten aber nichts gesagt. Wir setzten uns hin und tranken einen Tee. Das Baby schlief tief und fest, ich denke es war auch einfach viel Stress für die Kleine. Sie wurde ja aus ihrem Schlaf gerissen als der Streit los ging. Ich machte mir schon Sorgen und wollte nicht, dass sie Stress hat. Umso mehr beruhigte es mich jetzt, das sie schlief.

Die Brüder und ich unterhielten uns ein wenig. Sie fragten mich, ob ich Probleme habe und ob sie mir helfen könnten. Ich kann euch nicht sagen wieso, aber ich erzählte ihnen alles. Ich erzählte und erzählte… einfach tief aus meinem Inneren heraus. Die Brüder hörten mir mit so viel Geduld und Verständnis zu, mashaAllah. Und der eine Bruder, Fatih, hatte sogar einen Ratschlag für mich. Nachdem ich ihnen alles erzählt hatte sagte er zu mir:

„Bruder, das was du erzählst hört sich schrecklich an. Die letzte Zeit war echt hart für dich, SubhanAllah. Ich habe schon aus deinen Erzählungen heraus gehört, dass du deine Freundin sehr magst. Trotz allem was sie getan hat. Aber lass dir eins von mir gesagt sein, hier geht es nicht um Liebe, hier geht es um dein Kind. Überleg dir mal was in 10 Jahren ist. Glaubst du deine Freundin achtet dann darauf, dass dein kleines Mädchen sich keusch verhält? Glaubst du, sie achtet dann darauf, dass sie eine Muslima wird? Akhi, überleg mal was alles passieren kann wenn du bei ihr bleibst und das alles weiterhin mitmachst und duldest. Guck was passiert ist SubhanAllah, deine Freundin ist weg gegangen und hat euer Kind einfach bei ihren Eltern abgegeben ohne dir Bescheid zu sagen. Ich meine, dass wäre ja alles halb so wild wenn sie deinem Kind kein Schwein gegeben hätten, audhu billah. Schau mal, sie geben ihr jetzt schon Schwein, meinst du sie werden sie später vom Alkohol fernhalten? Akhi, ich will dich nichts Falsches sagen, ich kenne deine Freundin ja nicht einmal, aber Beziehungen ohne Ehe sind Haram. Und meiner Meinung nach solltest du dich so schnell wie möglich von ihr trennen, wenn du ein gutes und islamisches Leben haben willst. Du musst deine Tochter auch schützen, damit sie nicht auch so wird wie ihre Mutter.“

Ich dachte sehr lange über seine Worte nach. Julia. Ich hatte sie mal so geliebt und jetzt? Ja, jetzt wusste ich nicht was richtig und was falsch war. Das sie offen ist und gerne feiern geht wusste ich ja schon immer. Das sie selbsbewusst ist und sich nichts gefallen lässt, wusste ich auch. Deshalb hatte ich sie ja lieben gelernt. Aber das es mir jetzt so zum Verhängnis wird. Ich hatte mich doch schon angepasst, war nicht mehr zur Moschee gegangen. Und was macht sie? Sie geht feiern und lässt mein Kind bei Leuten, die es mit Schweinewurst füttern. Ich krieg die Krise, dachte ich mir. Ich wusste nicht weiter. Wusste nicht was ich tun sollte. Aber eins wusste ich,  nämlich das es so nicht weiter gehen konnte.

Die Brüder und ich beteten noch das Morgengebet gemeinsam mit der Ummah und dann fuhr ich zu meiner Mutter. Das Julia schon ihren Rausch ausgeschlafen hatte, bezweifelte ich. Und bevor sie nicht wieder klar im Kopf war, wollte ich nicht mit ihr reden. Denn für das, was ich ihr sagen wollte, hatte sie dringend einen klaren Kopf gebraucht.

Meine Mutter öffnete mir gegen 7 Uhr morgens mit ihrem Nachthemd die Tür. Sie war überrascht, dass ich da war und freute sich sehr, denn sie hatte das Baby zuvor erst 2 mal gesehen.

Julia wollte nicht, dass ich oft mit der Kleinen zu meiner Mutter gehe. Sie dachte es reicht wenn sie einmal im halben Jahr ihre Enkelin sieht. Einverstanden war ich damit natürlich nicht, aber ich hatte mich gefügt. Im Nachhinein kann ich euch gar nicht sagen wieso ich mich immer gefügt hatte. Ob es die Liebe war oder einfach die Angst meine Familie zu verlieren, ich weiss es nicht. Nur weiss ich, dass ich mich fast immer Julias Wünschen, bzw. ihren Befehlen gebeugt hatte. Jetzt komme ich mir dafür so lächerlich vor und während ich euch hier meine Geschichte erzähle, komme ich selber aus dem Staunen nicht heraus. Ich staune, weil ich nicht fassen kann, wie dumm ich damals war. Mir wird selbst klar, wie wenig Mann ich damals war und dafür schäme ich mich. Denn wenn ich meine Geschichte selbst nochmal lese, fällt mir auf, wie sehr Julia die Hosen in der Beziehung an hatte und wie sehr sie mich manipuliert hat. Und ich habe es zugelassen. Aber damit sollte ja nun Schluß sein.

Ich war also bei meiner Mutter angekommen. Es fiel mir immer noch schwer, ja sogar sehr schwer, die Wohnung zu betreten. An der Garderobe hangen immer noch die Sachen von meinem Vater, meine Mutter hatte sich nach fast 2 Jahren nicht davon trennen können. Und ich spürte immer noch die Erinnerungen in mir hoch kommen wenn ich seine Sachen betrachtete. Es erinnerte mich einfach zu viel an ihn. Ich versuchte mir meine wieder aufkommende Trauer nicht anmerken zu lassen und ging mit meiner Mutter ins Wohnzimmer.

Wir setzten uns aufs Sofa. Ich erzählte ihr ohne Nachfrage alles. Alles was die letzte Zeit passiert war. Aber am meisten erzählte ich von letzter Nacht, in der Julia so sturzbetrunken nach Hause kam. Auch erzählte ich ihr, dass die Eltern von Julia meiner Kleinen Schweinefleisch zu essen gaben. Meine Mutter war geschockt. Sie sprang auf und sagte:

„Nein, Ahmed. Das ist doch nicht dein Ernst?! Bitte sag mir, dass das nicht wahr ist. Sind die denn total bescheuert? Sie wissen doch, dass du ein Muslim bist und das du kein Schwein isst. Wie kommen sie dann dazu DEINER Tochter Schwein zu geben? Diese dummen Menschen…“

Nachdem meine Mutter ihrer Wut Luft gemacht hatte, setzte sie sich wieder hin und richtete das Wort erneut an mich, aber diesmal mit der sanften und beruhigenden Stimme, die ich eigentlich von ihr gewohnt war:

„Ahmed, mein Sohn. Mein geliebter Sohn. Nimm dir bitte die Worte die ich dir jetzt sage zu Herzen. Du musst dich von dieser Frau trennen. Eigentlich wusste ich ja schon, dass sie nichts für dich ist, nachdem du sie her gebracht hattest. Aber ich dachte vielleicht ändert sie sich noch. Sie ist eine eingebildete, von sich selbst eingenomme Frau und das wird sie auch bleiben. Das ist eben ihr Naturell, ihr Charakter. Schau mal wie oft du schon mit ihr gesprochen hast, wie oft du schon versucht hast, sie auf den richtigen Weg zu bringen. Oder wie oft du zumindest versucht hast, sie davon abzuhalten ganz abzurutschen. Und was hat es gebracht? Sie ist nicht auf den richtigen Weg gekommen aber du bist vom richtigen Weg abgekommen. Durch sie und durch ihr Verhalten. Sie ist so und sie wird sich nie ändern. Sie sieht einfach das Leben und die Welt falsch. Sie will nur ihren Spaß haben. Ja, sie denkt sie lebt nur um ihren Spaß zu haben. Okay, wenn sie so leben will dann ist das ihre Sache. Wenn sie aber deine Tochter so erzieht, dann ist es auch deine Sache. Mensch, du hast Verantwortung. Ahmed, sag mir eins, wie würdest du dich fühlen, wenn deine Tochter mit 15 sturzbetrunken vor dir steht, nur mit einem Minirock und einem Top bekleidet? Wie würdest du dich fühlen? Denk darüber nach. Stell es dir vor. Ich will das du dir das bildlich vorstellst!

Deine Tochter kommt mit 15 Jahren nach Hause. Geschminkt wie eine Frau, die auf der Straße arbeitet und in einem kurzen Rock. Den MP3-Player in den Ohren und das Kaugummi kaut sie mit offenem Mund. Sie kommt nach Hause und ist sturzbetrunken. Lallt dich an und auf die Frage wo sie war sagt sie dir, dass sie auf einem Geburtstag war. Wenn du ihr dann Hausarrest geben willst sagt sie dir, dass ihre Mutter ihr die Erlaubnis gegeben hat auf die Party zu gehen und sie ihr auch erlaubt hat, ein Bier zu trinken… So Ahmed, jetzt sag mir, wie fühlst du dich? Und was kannst du dann noch machen?“

Ich versuchte es mir wirklich bildlich vorzustellen. Und ich schaffte es, hatte plötzlich die ganzen Bilder in meinem Kopf und sah diesen Ablauf vor meinem inneren Auge. Ich sah mich da vor meiner betrunkenen Tochter stehen. Es war, als würde ich die Situation als dritte Person betrachten. Ich sah mich selbst und ich sah sie. Meine kleine Tochter, die jetzt noch so winzig und unschuldig war, stand da als Teenager sturzbetrunken vor mir. Und ich sah mich, als kaputten und gebrochenen Mann, der einfach zu schwach war um sich gegen seine Frau und diese verdorbene Welt zu wehren. Einen Mann, der von tiefster Trauer gezeichnet war.

Diese Vorstellung machte mir schwer zu schaffen. So hatte ich da noch nicht drüber nachgedacht. Ich meine klar, Fatih hatte es mir doch vorhin in der Moschee auch schon gesagt. Er sagte mir auch, ich solle mich trennen und müsse aufpassen, dass meine Tochter nicht so wird wie ihre Mutter. Das gab mir auch schon zu denken und ich stimmte ihm innerlich eigentlich zu. Aber diese Bilder in meinem Kopf, diese realen Bilder, waren noch viel krasser. Jetzt wurde mir erst einmal das mögliche, und leider realistische, Ausmaß bewusst. Jetzt wurde mir klar, was es bedeuten könnte, wenn ich bei Julia bleibe. Mir wurde klar, was es für mich und für die Kleine bedeuten würde.

Es überkam mich aufeinmal schreckliche Angst. Angst davor, dass es wirklich so kommen könnte. Das meine Tochter wirklich einmal in einem Minirock da stehen könnte. Angst, dass meine Tochter wirklich irgendwann zum Alkohl greifen könnte. Angst, dass sie eines von den Mädchen wird, an denen sich die Männer die Augen aus dem Kopf starren. Einfach auch Angst, dass sie so wird wie ihre Mutter… Es traf mich wie ein Blitzschlag und es war, als wäre meine Sicht auf einmal ganz klar. Als hätte es irgendwo in meinem Gehirn „Klick“ gemacht. Auf einmal wusste ich, dass ich all die Jahre blind war. Ich wusste, dass ich mich auf etwas eingelassen hatte, was nicht funktionieren konnte. Wusste plötzlich, dass sich etwas ändern müsse. Aber diesmal musste nicht ich mich ändern, diesmal musste Julia sich ändern. Diesmal stellte ich ihr ein Ultimatum.

Sie musste sich ändern oder ich gehe. Aber wenn ich gehe, dann nicht alleine. Dann nur mit meiner kleinen Tochter.

So rief ich sie an dem Morgen an und sagte ihr:
„Ich bins, Ahmed. Du brauchst jetzt gar nichts zu sagen, höre mir einfach nur gut zu. Das was du letzte Nacht abgezogen hast war einfach unter aller Kanone. Ich kann so etwas nicht dulden. Ich muss meine Tochter schützen. Du musst dich ändern. Kein Alkohl mehr und keine Partys. Wenn du das nicht machst, werde ich gehen. Und ich werde das Baby mitnehmen! Ich bleibe mit der Kleinen bei meiner Mutter, bis du dich entschieden hast.“

Welche schwerwiegende Folgen dieses Ultimatum für mich hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Ja meine lieben Schwestern, es gibt inshaAllah noch einen letzten finalen Teil. 🙂 Der kommt aber inshaAllah erst morgen. 🙂 Also gespannt bleiben und fleißig Kommentare hinterlassen. Denn ich möchte jetzt von euch wissen, was denkt ihr, wie es wohl weitergeht? Bin mal gespannt was ihr denkt… 🙂

22 thoughts to “Meine verbotene Liebe – Teil 4”

  1. und ich glaube noch fest daran, dass das finale noch kommt…erst wenn die zeit des Nachtgebets einbricht…, aber bis dahin harre ich aus…

  2. na dann hau in die tastennnn ukhtiiiii,so langsam ist nichts mehr mit geduld =))))….bin gespannt ob ich auf der richtigen spur bin =))) wenn ja,dann warste aber ne zicke du du du 😀

  3. mhh interessanter Gedankengang 🙂 Mich erstaunt was ihr für eine blühende Fantasie habt 🙂 mashaAllah. Vielleicht. Vielleicht auch nicht 🙂 Wer weiß wer weiß:) Das Finale kommt inshaAllah heute im Laufe des Tages 🙂

  4. ..Hihi Süß..Finale ohhoh 🙂 ich bin dran:) Heute inshaAllah.. :=) Das warten lohnt sich inshaAllah also Sabr 🙂

  5. ja mein ich doch =)))) Juliaaaa…ja das ist vielleicht der deckname =) ich lass mich überraschen…wann kommt der 5 teil denn ?

  6. Danke für den Kommentar Bruder, alhamdulillah das du dich jetzt geändert hast und weisst das es damals nicht gut war;) Leider haben heutzutage grade viele junge Brüder beziehungen mit solchen Mädchen

  7. Ich denke das wird nichts den ich habe in der Cahilia zeit auch freundinen gehabt und die haben nur interesse an partys und drogen gehabt das war nicht schön für heutige zeit damahls war es cool..

  8. wa aleikum salam, ob ich es selber ausgedacht habe oder ob es wahr ist, sage ich euch inshaAllah wenn die Geschichte zu Ende ist

  9. assalamu alaikum,eine frage schwester,hast du dir die geschichte ausgedacht,oder gibt es diese ahmed julia story wirklich??? Ich hatte die ganze zeit gedacht das der bruder es selber schreibt.. =))

  10. salem u alejkum

    also ich hab überhaupt keine Idee wie es enden könnte, denn das sieht alles so aussichtslos aus… 🙁 …ich bin mal gespannt *fieber*

    Salem und gute Nacht^^

  11. salam liebe schwester, noch niht das finale, es brauch eine zeit bis sie muslima werden kann ;-), vielleicht geht sie zu einem imam um mit ihm zu rden und kommt so langsam mit dem islam in berührung? … so ähnlich wars bei mir *hüstel* nur das ganz drumrum mit feiern und kind gabs nicht
    salam esma

  12. Asalamu aleikum, das Finale kommt inshaAllah. Entweder gegen späten Abend oder erst Morgen vormittag. . . bis dahin lass deiner Fantasie freien lauf 🙂 was denkst du was passiert?

  13. Assalamu alaikum wr wb,also ich muss sagen,das mich die geschichte wirklich mitzieht.kann viele dinge sehr gut nachempfinden…das ende wird denke ich mal sein,das sie sich durchsetzt und zum gegenschlag ausholt da sie ja sehr intolerant und selbstgefällig ist…Ahmed wird erstmal seine tochter verlieren,da als erstes das recht meistens der mutter zugesprochen wird,es wird ein langer kampf aber Allah ta ala macht ihm ein weg auf….das denke ich =)

  14. bitte…sie soll muslima werden…oder wäre das jetzt zu kitschig? aber was könnte ihr besseres passieren?
    subhan allah ist die geschichte wirklich passiert?

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