Checker-Muslime Teil 2 – Der tanzende Türke

Es war ein ganz normaler Samstag und schon etwas später am Abend. Mein Mann und ich wollten noch schnell ein paar Dinge einkaufen. Wir hatten es eilig, denn wir hatten noch etwas vor. Also haben wir uns beim Einkaufen beeilt. Wir beschlossen uns zu trennen, so dass jeder in einer anderen Abteilung die Sachen holte, die wir brauchten. So sollte es schneller gehen. Als ich beim Käse stand, passierte es dann.

Da war dieser junge Mann, der direkt zu dem Käse griff den ich haben wollte. Ich zog schnell meine Hand weg und dachte mir: “ Oh man, na dann geh ich halt erst zur Butter, war bestimmt ein Versehen“. Ich ging also ein Regal weiter, zur Butter. Ich dachte schon garnicht mehr an diesen Jungen.

Als ich völlig gedankenlos zur Butter griff, sah ich aufeinmal wieder eine Hand, die genau zur gleichen Butter greifen wollte. Ich zog meine Hand weg und guckte zur Seite. Da stand er dann wieder. Dieser Junge. Er schien mit jemandem zu reden, ich glaube es war seine Mutter. Eine ältere Frau, die mich sehr freundlich anlächelte. Sie redeten einen Mix aus Türkisch und Deutsch. Sie sagte ihm, er solle sich Buttermilch kaufen, damit er fit ist und stark wird.

Ich schnappte mir meinen Einkaufswagen und verschwand schnell wie der Wind. Mir war das jetzt alles ein wenig unheimlich „Ich hoffe das war wieder ein Zufall“, dachte ich mir und ging geschwind zum Käse. Nach dem ich einmal tief durchgeatmet hatte, war der Junge auch schon wieder aus meinen Gedanken verschwunden und ich dachte mir nichts mehr dabei. Ich griff zu dem Käse den ich haben wollte und packte ihn in meinen Einkaufswagen. Da hatte ich dann nun endlich den Käse im Wagen.

Auf einmal hörte ich wie jemand neben mir anfängt zu singen. Es war das gleiche Lied, dass im Radio des Kaufladens lief. Irgendein modernes Lied, das ich nicht kannte. Ich dachte mir erst nichts dabei, dass dort jemand singt. Aber dann wurde es lauter. Ich drehte mich zur Seite und da war er wieder.

Er sah mich direkt an, sang das Lied weiter und fing auch noch an dazu zu tanzen. Ich guckte ihn mit großen Augen an. Ungefähr so, als ob ich gerade eine Ente sehe, die vor meinen Augen anfängt Michael Jackson Songs zu singen. Ich wollte ihn dann erst fragen was das soll und ihm sagen, dass dies hier der Kaufland ist und nicht „Deutschland sucht den Superstar“. Habe ich dann aber doch gelassen, weil ich echt nicht mit ihm reden wollte. Er schien mich nicht aus den Augen zu lassen.

Nun schnappte ich mir wieder meinen Einkaufswagen, diesmal ein bisschen hektischer. Ich lief so schnell ich konnte in Richtung „egal“, hauptsache weit weg. „Was will denn dieser Junge von mir? Ich trage ein Kopftuch, eine Abaya und bin nicht geschminkt.“ Ich konnte es mir nicht erklären. Letztendlich landete ich dann bei den Müllbeuteln, ungefähr 6 Regale weiter, wo ich dann alhamdulillah auch meinen Mann fand.

Völlig aus der Puste und ein bisschen unter Verfolgungswahn leidend, wollte ich meinem Mann davon erzählen. Doch als ich mich aufgrund meines Verfolgungswahns nocheinmal umdrehte, stand der junge Mann schon im selben Gang wie wir. Ich machte wieder große Augen und drehte mich schnell zu meinem Mann und nahm ihn an die Hand. Mein Mann hat sich bestimmt auch gedacht. „Was ist denn jetzt los? Wieso will sie bei den Müllbeuteln Händchen halten?“ Aber wie Männer dann manchmal so sind, hat er sich natürlich nichts weiter dabei gedacht. So nach dem Motto: „Alles klar, sie will Händchen halten. Sie ist eine Frau…sie wird schon einen Grund dazu haben.“

Sagen wollte und konnte ich zu dem Zeitpunkt nichts, denn der junge Mann stand ja in unmittelbarer Nähe. Und ich glaube, hätte mein Mann von der Tanzeinlage gewusst, dann hätte er auch eine eingelegt, aber mit ihm zusammen. Was man dann vielleicht agressives Tanzen genannt hätte.

Als wir draußen am Auto waren erzählte ich meinem Mann von der Sache. Er wollte natürlich wieder zurück gehen und ihn fragen was das sollte. Aber der junge Mann war alhamdulillah schon weg. Sowas war mir zuvor noch nie passiert und ich kann es irgendwie immer noch nicht ganz glauben…

2 thoughts to “Checker-Muslime Teil 2 – Der tanzende Türke”

  1. Bismillah,
    as salamu alaikum,

    das kenne ich zu gut.
    Als ich anfing Hijab zu tragen, da trug ich es mit Hose und knielangen Oberteilen. Einmal fuhr ich von meiner Mama nach Hause (mit dem Zug, sie wohnt 700 km von mir entfernt). Ich musste immer umsteigen und irgendwann waren es nur noch 2 Stunden (von 12) bis nach Hause. Und genau da – während ich auf den Zug warte – läuft ein Türke die ganze Zeit bei mir hin und her und beobachtet mich…
    Danach – im Zug – setzt er sich in meine Nähe, gerade so, dass er mit mir reden konnte. Die ganze redet er und redet und redet und starre sturr aus dem Fenster… Er meint dann, ich sei unhöflich, weil ich ihm nicht antworte. Er stieg an der selben station aus wie ich und lief mir noch hinter her, bis ich in der S-Bahn verschwand. Er wollte unbedingt noch am selben Abend mit mir Kaffe trinken gehen (es war bereits 21 Uhr).

    Und einmal fuhr ich mit der U-Bahn nach Hause. Ich musste Enstation aussteigen und auch ein Araber steigt da aus und oben an der Straße läuft der im selben Schritttempo wie ich neben mir her und guckt mich an. Als ich rüber schiele, meint er „entschuldigung schwester, bist du verheiratet?“ ich bin dann wortlos geflüchtet… (zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht verheiratet – sonst hätte ich wahrscheinlich meinen Mann angerufen und schön immer habibi erwähnt oder so)…

    Naja, subhanallah… Davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen.

    Liebe Grüße an dich
    wa salam
    Zainab

  2. “Was ist denn jetzt los? Wieso will sie bei den Müllbeuteln Händchen halten?” 😀 🙂

    Ah, mach dir keinen Kopf wegen dem Jungen. Es gibt viel wichtigere Dinge im Leben 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.