Meine Hochzeit mit Abbas – Teil 3 der Geschichte

Mein Atem stockte als ich die Treppen zu der Wohnung meiner zukünftigen Schwiegereltern hoch ging. Ich dachte, ich falle jeden Moment in Ohnmacht. Mein Puls pochte mir bis zum Hals. Ich hatte vorher nie gedacht das man seinen Herzschlag so stark spüren kann. Meine Hände schwitzen und mir war heiss. Ich war so nervös. Meine Unterlippe zitterte stark. Das tat sie oft, wenn ich nervös war aber ich hatte mir noch sie so sehr gewünscht, dass es unbemerkt bleibt, wie an diesem Tag.

Als die Tür aufging sah ich sie nun. Meine Schwiegereltern in Spee. Sie sahen ganz freundlich aus. Man hat ihnen irgendwie angesehen, dass sie gespannt waren. Gespannt auf mich. „Was sie wohl von mir erwarten?“, dachte ich mir. Ich drückte meine zukünftige Schwiegermutter und wir begrüßten uns. Ich bin wahrscheinlich total Rot geworden. Es war alles neu für mich und ich war sehr nervös. Wir setzten uns ins Wohnzimmer. Meine Eltern waren auch dabei. Eigentlich hatte ich noch nie ein besonders gutes Verhältnis zu meinen Eltern, aber wir kamen klar. Meine Mutter hat neu geheiratet, als ich noch ziemlich jung war. Also meine ich mit Eltern meine Mutter und meinen Stiefvater.

Nun saß ich da. Bei meinen zukünftigen Schwiegereltern. Bei Menschen, die bald zu meiner Familie gehören werden, die ich aber eigentlich nicht kannte. Ich hatte sie ja zuvor noch nie gesehen. Zu unserer Verlobung hatte ich einmal mit der Mutter von Abbas geredet. Aber was soll man durch so ein Telefonat schon voneinander erfahren. Ich wusste nicht viel über meine Schwiegereltern. Auch wusste ich nicht, was sie von mir, ihrer Schwiegertochter, erwarteten. Meine Mutter redete an dem Tag sehr viel mit der Mutter von Abbas. Meine Schüchternheit hatte ich also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht von ihr. Wir warteten nur noch auf den Sheikh, dann sollte die Ehe geschlossen werden. Meine Ehe.

Als der Sheikh kam redeten mein Schwiegervater in Spee und er erstmal ein wenig. Dann machte mein Schwiegervater einen Nasheed an, den er leise im Hintergrund liefen ließ. Die Ehe wurde dann geschlossen und anschliessend mussten wir noch die Eheurkunden unterschreiben. Mein Herz raste. Nun bin ich also verheiratet. Ich muss sagen, erst hab ich es gar nicht verstanden. Gar nicht verstanden, wieso jetzt alle glücklich sind. Dann merkte ich, dass die Hochzeit vollzogen war. Ich war wohl zu dem Zeitpunkt nicht so ganz bei mir.

Die Hochzeit lief im sehr kleinen Kreis ab. Abbas und seine Eltern, meine Eltern und ich. Eigentlich hatte ich mir meine Hochzeit immer anders vorgestellt. Ich hatte mir eigentlich immer gewünscht in einem schönen Kleid zu heiraten. Mit einer Kutsche. Eine Märchenhochzeit eben. Aber ich muss sagen, meine Hochzeit war trotzdem einer der schönsten Tage in meinem Leben. Es war zwar keine Märchenhochzeit, aber ich hatte meinen Märchenprinz geheiratet. Als ich wusste, dass ich seine Frau geworden bin, ist mein Herz aufgegangen. Es war so, als teile ich mein Herz jetzt. Ich teilte mein Herz ab diesem Tag mit Abbas. Meinem Märchenprinz. Es war die schönste Hochzeit, die ich mir je hätte erträumen können. Wegen ihm. Wegen uns. Uns Zwei.

Der Sheikh ging direkt nach der Hochzeit. Er hatte wahrscheinlich noch viel zu tun. Meine Schwiegermutter holte das Essen und Getränke. „Mashaallah“, dachte ich mir. „Das Essen sieht grandios aus! Ob ich wohl irgendwann auch mal so kochen kann“?

Das Essen wurde verteilt. Ich habe nur ganz wenig genommen, denn mein Herz schlug immer noch so schnell, dass ich nicht gedacht hatte, überhaupt etwas essen zu können. Ein bisschen komisch hat meine Schwiegermutter schon geschaut, dass ich nur so wenig wollte. „Ob sie jetzt beleidigt ist“? Aber ich konnte einfach nicht. Als wir anfingen zu essen, hatte ich das Gefühl, dass mir jeder Bissen gleich im Hals stecken bleiben könnte. Ich war noch zu nervös. Meine Schwiegermutter hat mich irgendwie auch die ganze Zeit angeschaut.

Es war fast so, als wolle sie mich mustern. Ich hab immer mal wieder zu ihr rüber geguckt und gelächelt. Aber es schien so, als sei sie so damit beschäftigt mich zu analysieren, dass sie ganz geistesabwesend war. Manchmal guckte sie mich sogar von oben bis unten und wieder von unten nach oben an. Ich wurde Knallrot. „Gefallen ihr vielleicht meine Sachen nicht?“. Ich wusste nicht was sie hatte. Aber es machte mich zunehmend nervöser. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Mein Essen aß ich so gut es ging auf. Mein Mann blickte ab und zu lächelnd zu mir rüber. Ich denke, er hat gemerkt, dass ich sehr nervös war. Ob er wohl auch gemerkt hat wie seine Mutter mich anstarrte?

Als wir zu Ende gegessen hatten, mussten meine Eltern schon die Heimreise antreten. Wir kamen von weit her, deswegen mussten sie schon früh los fahren. Ein wenig traurig war ich schon. Ich meine, das war ja schließlich das erste mal das ich von Zuhause auszog. Und dann auch noch so weit weg. Wie schon gesagt, ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern hatte ich zwar nie wirklich, aber komisch ist es schon. Gerade wenn man dann soweit weg zieht. Aber ich war zuversichtlich. Obwohl ich Abbas noch nicht lange kannte, hatte ich ihm blind vertraut. Ich habe mich so mit ihm verbunden gefühlt, als wären wir Seelenverwandte. Traurig war ich dennoch, dass meine Eltern fahren mussten. Ich habe meiner Schwiegermutter angemerkt, dass sie sich Gedanken darum machte, wie es mir geht. Sie sagte ein paar nette Worte zu mir, was ich auch sehr zu schätzen wusste.

Mein Mann und ich blieben auch nicht mehr all zu lang bei meinen Schwiegereltern. Wir fuhren also in seine Wohnung. In unsere Wohnung. Es war alles sehr neu für mich, aber ich hatte mich gefreut. Er hatte die Wohnung liebevoll hergerichtet. Es war alles so sauber und schön. Ich hab mich direkt wohl gefühlt.

Leider gab es schon in den nächten Tagen viel Streit. Nicht zwischen mir und Abbas. Wir haben uns sehr gut verstanden. Aber zwischen uns und seinen Eltern. Seine Mutter hat täglich mehrmals angerufen. Wir hatten irgendwie nicht mal die Zeit uns richtig kennenzulernen. Privatsphäre und Zweisamkeit waren nicht drin. Mein Mann war oft genervt wegen seiner Mutter. Sie hat so oft angerufen und wollte das wir zu ihnen kommen um dort zu essen. Aber ich war doch gerade erst Hausfrau. Kochen war für mich neu und deswegen hat es mir viel Spaß gemacht, jeden Tag für meinen Mann kochen zu können. Außerdem war ich noch zu schüchtern und habe mich geschämt dort zu essen. Ich weiss nicht warum. Vielleicht auch weil meine Schwiegermutter mich bei unserem letzten Essen dort so gemustert hatte.

Jedenfalls hat sie nie verstanden, wieso wir nicht jeden Tag zum Essen kamen. SIe hat den ganzen Tag angerufen und nachgehakt, warum wir nicht kommen. Was wir denn gegen sie hätten. Immer das Selbe. Einmal war mein Mann krank und als seine Mutter angerufen hatte, erzählte ich ihr davon. Sie hat mir bestimmt eine halbe Stunde erklärt, was ich für ihn tun sollte. Sie erklärte es mir, als hätte ich noch nie eine Erkältung gehabt und wüsste nicht was Taschentücher sind. Ich war wirklich traurig und sauer. Aber anmerken lassen habe ich mir das nicht. Ich wollte nicht respektlos sein.

Das Verhältnis wurde und wurde einfach nicht besser. Ich habe oft meine Mutter angerufen und mich bei ihr ausgeweint. Irgendwie schien sie mich zu verstehen. Sie sagte mir oft, ich solle mit meinem Mann zu ihnen in die Nähe ziehen. Meine Schwiegermutter würde mich sonst noch kaputt machen. Immer wenn ich traurig war sagte sie so etwas. Irgendwann habe ich es ihr geglaubt. Ich hatte geglaubt, wenn ich da bleibe, werde ich kaputt gehen.

Meinem Mann fiel es schwer, aber er entschied sich meinetwegen mit mir in die Nähe meiner Eltern zu ziehen. Eigentlich sind wir völlig überstürzt umgezogen, aber wir sind es halt. Der Umzug war hart und stressig. Als wir in unserer neuen Wohnung ankamen, soweit von meinen Schwiegereltern weg, merkten wir schnell, dass es falsch war. Eigentlich merkten wir es schon beim Kisten auspacken. Wir merkten, dass wir zu schnell gehandelt haben und alles nicht richtig bedacht hatten.

Ich hatte nun garkeinen Kontakt mehr zu seinen Eltern. Sie dachten, ich hätte ihnen den Sohn weggenommen. Abbas hat oft mit ihnen telefoniert. Ich hab ihm angemerkt, dass es ihm schwer fiel. Seine Eltern waren ja schon alt und auch krank. Ich denke trotz dem Streit hat es ihm das Herz gebrochen, seine Eltern alleine zu lassen. Ich wusste nicht was in mich gefahren war. Warum hatte ich es zugelassen das wir so weit weg ziehen? Eigentlich bin ich doch immer so stark gewesen.. Ich wusste nicht was los war.

Ich hatte eigentlich auch gedacht, wenn ich in die Nähe meiner Eltern ziehe, kann ich oft mit meiner Mutter reden und etwas mit ihr unternehmen. Das hat sie mir doch am Telefon immer Versprochen. Sie sagte mir immer, wenn ich umziehen würde und wieder bei ihnen in der Nähe wohne, würde sie mich oft besuchen kommen und viel gemeinsam mit mir unternehmen. Ich hatte so viel Hoffnung.

Meine Mutter kam knapp einmal im Monat zu mir. Wenn überhaupt. Sie hat mich alleine gelassen. Sie hat nicht das eingehalten, was sie verprochen hatte. Ich war sehr traurig. Hätte ich vielleicht doch bei meinen Schwiegereltern bleiben sollen? Hier war es auch nicht besser, wenn nicht sogar schlechter. Ich war nämlich oft sehr traurig und enttäuscht von meiner Mutter und hatte mir alles irgendwie anders vorgestellt. Vielleicht hätte sich das Verhältnis zwischen mir und meinen Schwiegereltern auch noch verbessert? Hatte ich vielleicht doch auch etwas falsch gemacht?  Ich hatte ihnen den einzigen Sohn  genommen, sie waren nun alleine. Ich machte mir viele Vorwürfe. Ich hatte vorschnell gehandelt, habe zu schnell aufgegeben. Ich hätte mir mit meinen Schwiegereltern mehr Mühe geben sollen…

Ich wollte unbedingt, dass wir ein gutes Verhältnis haben können. Abbas und ich wollten ja auch irgendwann Kinder. Sie sind dann die Großeltern. Ich muss mich doch dann gut mit ihnen verstehen. Irgendetwas musste ich tun, damit wir uns wieder verstehen. Und so schrieb ich ihnen einen Brief…

Wie geht es weiter mit der Familie? Was ist passiert nachdem Paulina den Brief geschrieben hatte?
Meine lieben Schwestern, ein Teil erwartet euch noch inshaAllah. Der letzte Teil kommt morgen inshaAllah. Seid gespannt 🙂

4 thoughts to “Meine Hochzeit mit Abbas – Teil 3 der Geschichte”

  1. Asalamu alaikum

    Mascha Allah. Das ist wirklich eine spannende Geschichte. Sehr schön geschrieben. Die Gefühle der Personen kommen gut rüber. Und es ist schön, es mal von beiden Seiten beleuchtet zu haben. Gerade auch zu sehen, warum die Schwiegermutter so „kontrollierte“.

  2. Ja ich kann sie auch verstehen. Ich denke, jeder der sich etwas versucht in sie hinein zu versetzten wird sie verstehen können. Aber vielleicht kann ich auch die Schwiegermutter verstehen. Ich meine wenn sie sich alles vorher schon so schön ausmalt? Dann hat sie bestimmt gedacht, dass es auch genauso wird.
    Jeder wünscht sich so eine Bindung denke ich 🙂 Ich auch 😉

  3. Ich kann die Schwiegertochter sehr gut verstehen. Sie kannte ihre Schwiegereltern kaum, und die einzigen Annäherungsversuche von deren Seite, zumindest von der Schwiegermutter aus, waren einige Worte und Blicke. Kein Wunder, dass sie sich beobachtet vorkam und sich irgendwie unwohl fühlte. Wenn mich jemand ständig beim Essen zusehen würde, würde ich gar nicht mehr essen können und irgendein Besteck würde runterfallen. Jedenfallls hat die Schwiegertochter da keine Schuld. Mit 18 ist man noch jung und unerfahren, da hätte von der Seite der Schwiegermutter mehr kommen sollen, z .B. ein aufbauendes Gespräch. Und dass sie als junge Frau zu ihrer Mutter in der Nähe ziehen wollte ist für mich auch verständlich, sie hatte sich eben mütterliche Unterstützung gewünscht, wie jede andere Tochter auch. Wer wünscht sich denn keine Mutter-Tochter-Beziehung für alle Fälle?! 🙂

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