Der eine Augenblick – Der blinde Junge

Ich glaube es war an einem Samstag. Die Stadt war gefüllt mit Menschen. Mein Mann und ich machten uns auf den Weg um einige Sachen zu besorgen. Ich war eigentlich ganz gut gelaunt, die Sonne schien und es war warm. Ich glaube es war Juni. Wir fuhren mit dem Auto in die nächst größere Stadt um uns Möbel anzugucken. Wir brauchten dringend eine Küche. Als wir ankamen war es sehr stickig in dem Möbel Haus. Ich schätze sie hatten keine Klima-Anlage. Meine Laune begann zu kippen.

Mir war heiss und ich hatte das Gefühl keine Luft zu bekommen in diesem Möbel Haus. „Wie ätzend“, dachte ich ständig. Natürlich haben mein Mann und ich nicht das bekommen, wonach wir suchten. So klapperten wir noch zwei weitere, mehr oder weniger stickige, Möbelhäuser ab. Meine Güte, wie voll doch so ein Möbelhaus am Samstag sein kann. Als wir uns dann nach drei geschlagenen Stunde endlich auf den Rückweg machten, war meine Laune bereits auf dem tiefsten Punkt.

Meine Füße taten weh von diesen unbequemen Schuhen und ich hatte Kopfschmerzen. Wir hatten zwar endlich das gefunden, was wir brauchten, aber ich war trotzdem nicht richtig glücklich.

Als mein Mann dann noch schnell in den türkischen Laden gehen wollte um etwas einzukaufen, war ich komplett am Ende mit meinen Nerven. Ich war zickig und unzufrieden. Unzufrieden mit allem. Es war zu heiss und meine Füße taten weh. Ich hatte bestimmt schon Blasen an den Füßen. Mein Kopf brummte und zu meinem Übel hatte ich noch Bauchweh. Ich saß im Auto in der prallen Sonne und wartete auf meinen Mann. Jede Minute die er länger im Laden blieb sank meine Laune weiter.

Da sah ich ihn. Einen Jungen im Alter von circa 14 Jahren. Er war am lachen und sah sehr zufrieden aus. Erst dachte ich „was guckt er denn so“, audhu billah. Dann merkte ich, dass er Blind ist. Er konnte nicht sehen. Er stand dort an der Wand und lachte und war zufrieden, aber konnte nicht sehen. Es kam ein älterer Mann, vielleicht sein Bruder, er nahm ihn an die Hand und lief mit ihm los. MashaAllah, dieser Junge war so glücklich. Er strahlte übers ganze Gesicht, als er merkte das der Mann kam, obwohl er blind war.

Und ich… Gesund alhamdulillah und beschwere mich über alles, war schlecht gelaunt weil es warm war und meine Füße wehtaten. Konnte ich nicht froh sein, dass ich überhaupt Füße habe? Das ich laufen kann? Das ich sehen kann?Ich kann die Blumen sehen wenn sie blühen, kann ihre leuchtenden Farben wahrnehmen alhamdulillah. Ich seh die Vögel, wenn sie über mir ihre Flügel ausbreiten und wieder einziehen. Ich seh die Wiesen und die Wälder, die Berge und die Gewässer. Ich kann jeden Tag aufs neue in die Gesichter meine Familie blicken. Wie wenig dank ich dafür …

Ich weinte, ich weinte weil ich mich schämte. Schämte für das, was ich hatte aber es nicht zu schätzen wusste. Ich weinte, denn ich hab soviel bekommen von Allah (swt) aber danke Ihm zu wenig. Ist es denn nicht ein Segen, dass ich überhaupt so gesund bin, dass ich in irgendwo hin fahren kann? Ist es denn nicht ein Segen, dass ich mir überhaupt Möbel leisten kann? Wir sollten uns alle jeden Tag vor Augen führen, was wir haben. Was Allah (swt) uns gegeben hat.

Wir sehen, laufen, hören und sprechen jeden Tag. Es ist für uns selbstverständlich. Aber es sollte für uns nicht selbstverständlich sein. Es gibt Menschen, die das nicht haben, und sich wahrscheinlich nicht halb soviel beschweren wie einige von uns. Sie sind für die Sachen glüklich die sie haben und wir…

2 thoughts to “Der eine Augenblick – Der blinde Junge”

  1. Gesaku lahu chejran für diesen Beitrag meine liebe Schwester.
    Du hast so recht, ich hab auch Tränen in den Augen gehabt.
    Wir Menschen sollten nie weg sehen, wenn an uns z.b. behinderte Menschen über den Weg laufen, denn spätestens in diesem Moment sollten wir begreifen, was Allah subhana wa taala uns geschenckt hat… ja und selbst wenn…so begreifen wir doch trotzdem nur einen minimalen Bruchteil, was er uns gegeben hat. Wir gehen raus, und können nicht mal dafür danken, dass wir ungestört zu unserem Ziel kommen können, … wenn man doch bedenkt was es für Unruhen auf der Welt gibt.

  2. MashaAllah ya Ukhti..
    Dieser Beitrag trifft mich wirklich Tief im Herzen..
    Und wie recht du doch hast.Wir meckern bei jeder kleinen Situation wenn uns etwas mal nicht passt.Warum können wir nicht einmal sagen:“Alles kommt von Allah azza wajal und was von ihm kommt kann doch nicht schlecht sein?!?“ Wieso sagen wir immer:“Warum muss mir das passieren?Audhubillah..anstatt wir uns einmal fragen:“Was für eine Weisheit steckt wohl für mich darin?
    Was für uns (undankbare Menschen) im ersten hinblick schlecht erscheint, kann im nachhinein auch etwas gutes mit sich bringen.Doch soweit sind wir leider noch nicht..InshaAllah vergibt uns unser edler Schöpfer, dessen Barmherzigkeit unermesslich ist.

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